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Wir werden alle sterben: Radioaktivität im Alltag

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Radioaktivität im Alltag

Veröffentlicht am: 24.10.2017

Laufzeit: 0:06:00

Sprache: deutsch

Wir Werden Alle Sterben ist der Wissenschafts-Videocast auf Leben und Tod der Spektrum-Redakteure Mike Beckers und Lars Fischer.

Heute geht es um Strahlung, und zwar um Radioaktivität im Alltag. Radioaktivität ist überall um uns herum, und für uns alle lebenswichtig, denn ohne die Zerfallswärme der Radioisotope wäre die Erde längst vollständig erstarrt.

Im Alltag ist uns das weniger bewusst, dafür begegnet uns Radioaktivität in anderer Form. Zum Beispiel in Form einer Banane. Bananen sind das radioaktivste Obst – sie enthalten nämlich sehr viel Kalium, und etwa ein Tausendstel des Kaliums in der Umwelt ist radioaktiv. Eine Wagenladung Bananen ist so radioaktiv, dass sie sogar Detektoren auslöst, die an US-Häfen Atomschmuggel verhindern sollen. Eine Banane strahlt mit etwa 15 Becquerel. Deswegen nutzt man die Banane sogar als Maßeinheit für Strahlungseffekte am menschlichen Körper. Eine so genannte Bananenäquivalentdosis entspricht etwa 0,1 Mikrosievert. Das ist die Strahlung, die man abbekommt, wenn man eine Banane isst.

Andere radioaktive Quellen im Alltag schneiden vergleichbar ab. Zum Beispiel zeigt eine Studie der Internationalen Atomenergieagentur, dass eine Stunde auf Kopfsteinpflaster zu laufen etwa der Aufnahme von zwei Bananen entspricht. Kopfsteinpflaster besteht meistens aus Granit. Granit enthält viele radioaktive Elemente. Steht man stattdessen auf einem Parkplatz, der mit Schlacke aus einem Kohlekraftwerk gedeckt ist, entspricht das etwa vier Bananen. Ein Transatlantikflug sind, je nach Bedingungen, etwa hundert bis tausend Bananen. Einmal Brust röntgen ergibt 200 Bananenäquivalentdosen. Steht man dagegen etwa einen Dreiviertelmeter neben einem Castor-Behälter, entspricht die Strahlenbelastung schon etwa tausend Bananen.

Die wichtigste Quelle natürlicher Radioaktivität ist allerdings das Gas Radon. Das entsteht als Zerfallsprodukt in radioaktiven Gesteinen wie eben Granit und macht mehr als die Hälfte der natürlichen Strahlendosis aus – im deutschen Durchschnitt etwa 11000 Bananen pro Jahr. Wer im Mittelgebirge wohnt, bekommt unter Umständen noch mal die gleiche Dosis als direkte Strahlung des Gesteins ab.

Das wird nur noch übertroffen von medizinischen Strahlungsdosen: Ein Computertomogramm vom ganzen Körper entspricht über achtzigtausend Bananen – das ist die doppelte Strahlenbelastung, die man im Durchschnitt pro Jahr abbekommt. Klingt nach einer ganzen Menge – aber die niedrigste Strahlendosis, für die ein erhöhtes Krebsrisiko direkt nachgewiesen ist, sind 100 Millisievert. Eine Million Bananenäquivalente. Man kann also nicht nur ganz beruhigt weiterhin Bananen essen, sondern sich auch ohne Sorge im radioaktiven Alltag bewegen. Das einzige, was ihr nicht tun solltet, ist an Uranerz lecken.

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