Direkt zum Inhalt

FAQ: Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest?

In Brandenburg sind erste Fälle der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen aufgetreten. In unserem FAQ beantworten wir die wichtigsten Fragen zu der wirtschaftlich bedrohlichen Seuche.
Wildschwein in der WieseLaden...

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Bislang wurde die Virusinfektion in 19 tot aufgefunden Wildschweinen und in einem kranken Tier, das geschossen wurde, nachgewiesen (Stand: 22.9.2020). Alle 20 Fälle stammen aus dem Osten Brandenburgs nahe der polnischen Grenze. Weitere Fälle sind zu erwarten.

Dass das Virus schließlich auch einen Weg nach Deutschland finden würde, überrascht Experten nicht. Die Schweineseuche ist seit 2014 im Baltikum und in Polen präsent. Allein in diesem Jahr gab es in Polen über 3000 Fälle infizierter Wildschweine. Bei 89 Schweinezüchtern traten erkrankte Hausschweine auf. Ein Infektionshotspot liegt im Westen des Landes unweit der deutsch-polnischen Grenze.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Das ASP-Virus stammt aus Afrika südlich der Sahara, wo es bei Warzen- und Buschschweinen vorkommt. Lederzecken, in denen sich das Virus vermehren kann, übertragen das Virus beim Blutsaugen. In Mittel- und Nordeuropa gibt es keine Lederzecken. Hier verbreitet sich die Seuche nur direkt von Schwein zu Schwein beziehungsweise indirekt über mit dem Virus kontaminierte Oberflächen. Vor allem das Blut erkrankter Tiere enthält viele Viren, aber sie können auch über Speichel, Urin oder Kot weitergegeben werden. Die Viruspartikel sind sehr stabil und überdauern je nach Umgebung Wochen und Monate auch außerhalb des Körpers. Wildschweine können sich zudem anstecken, wenn sie infiziertes Schweinefleisch fressen, etwa eine an einer Raststätte weggeworfene Scheibe Wurst oder Räucherschinken.

Infizierte Schweine zeigen nach ungefähr vier Tagen erste Anzeichen einer Erkrankung. Zu den Symptomen zählen Bewegungs- und Fressunlust, Durchfall und Erbrechen. Die Tiere werden zunehmend teilnahmslos, desorientiert, haben Atemnot und hohes Fieber, das im Endstadium mit Blutungen (hämorrhagisches Fieber) und Krampfanfällen einhergeht. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt fast immer zum Tod des Tiers, oft schon nach wenigen Tagen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Warum ist die Seuche so ein großes Problem?

Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich, bedeutet aber für infizierte Haus- oder Wildschweine in über 90 Prozent der Fälle den Tod. Dadurch wird sie vor allem zu einem wirtschaftlichen Problem für die Schweinezüchter. Zum einen gehen ihnen Tiere durch Krankheit verloren, zum anderen müssen Tiere vorsorglich getötet werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sobald in einem Stall die Seuche auftritt.

Noch bedeutender aber ist ein weiteres Problem: Um ihre eigenen Bestände zu schützen, verhängen viele Länder einen Importstopp für Schweinefleisch aus von ASP betroffenen Gebieten. Auch dadurch entsteht den heimischen Betrieben ein großer wirtschaftlicher Schaden. Obwohl das Virus in Deutschland bislang nur bei Wild-, nicht aber bei Nutzschweinen aufgetreten ist, haben Länder wie China, Südkorea oder Japan schnell ein Importverbot für deutsches Schweinefleisch erlassen. Der Fleischpreis ist daraufhin schon deutlich gesunken, und die Bauern können ihre Ferkel nicht verkaufen. Nun hoffen die Schweinehalter auf gesteigerte Exportmöglichkeiten innerhalb der EU, denn dort wird bei der Gefährdung nach innerdeutschen Regionen unterschieden. Die Hochburgen der Schweinemast in Deutschland liegen relativ weit von Brandenburg entfernt im westlichen Niedersachsen und nördlichen Nordrhein-Westfalen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Gibt es einen Impfstoff?

Gegen die Afrikanische Schweinepest gibt es bislang weder eine Impfung noch eine Möglichkeit zur Behandlung. Mehrere Forschungsgruppen weltweit arbeiten an einem Impfstoff, jedoch wird es noch einige Jahre dauern, bis erste Impfstoffe für den Praxiseinsatz verfügbar sein werden, schätzt Thomas Mettenleiter, Virologe und Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems bei Greifswald.

Neben der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gibt es auch noch die Europäische oder Klassische Schweinepest (KSP), deren Erreger, das Pestivirus C, nicht mit dem ASP-Virus verwandt ist, aber auch von Wildschweinen übertragen werden kann und zu ähnlichen Symptomen führt. Die beiden Erkrankungen können nur im Labor voneinander unterschieden werden. Ende der 2000er Jahre war es unter anderem dank eines hochwirksamen Impfstoffs gelungen, die KSP in Europa auszurotten.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Wie verbreitet sich die Afrikanische Schweinepest?

Weil die klassische Tröpfcheninfektion bei der Übertragung der ASP kaum eine Rolle spielt, erkranken bei den Wildschweinen zunächst nur Einzeltiere. Viele infizieren sich erst nach dem Tod eines befallenen Tiers, wenn sie am Kadaver schnüffeln oder fressen. Da Wildschweine relativ ortstreu sind, rechnen Experten nicht damit, dass die Tiere das Virus schnell verbreiten. »Auf vier Beinen kommt das Virus nicht schnell voran, auf vier Rädern sehr wohl«, sagt Mettenleiter. Der einzige relevante Vektor für eine Verbreitung über längere Strecken sei der Mensch. Als blinder Passagier profitiert das Virus wie so viele andere Krankheitserreger von der Globalisierung, denn es kann sich auch durch den Transport nicht gekochter Schweineerzeugnisse, an den Stiefeln von Jägern oder über andere kontaminierte Oberflächen verbreiten.

So hat es im Jahr 2007 seinen Weg von Afrika in den georgischen Hafen Poti gefunden. Von dort hat sich die Afrikanische Schweinepest in die Nachbarländer ausgebreitet und nach und nach immer mehr Länder Europas und Asiens erobert. Seit 2014 tritt die Schweineseuche in den baltischen Staaten und Polen auf, 2017 breitete sie sich in die Tschechische Republik, nach Moldawien und nach Rumänien aus. Im Jahr 2018 wurden erste Fälle in Ungarn, Bulgarien und Belgien sowie in China gemeldet und im Jahr 2019 in der Slowakei, Serbien sowie in mehreren ost- und südostasiatischen Staaten von der Mongolei über Vietnam bis nach Indonesien.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Lässt sich die Seuche mit Pufferzonen aufhalten?

Das Beispiel Tschechische Republik zeigt, dass die Virusverbreitung mit den richtigen Maßnahmen erfolgreich eingedämmt werden kann. Dort hatte man es geschafft, dass bereits ein Jahr nach dem Auftreten erster Fälle die Seuche zum Erliegen kam. Die Tschechische Republik ist heute wieder offiziell frei von der Seuche. »Das erfolgreiche Vorgehen dort dient uns jetzt als Blaupause«, sagt Mettenleiter.

Im engen Umkreis um die Fundstelle eines infizierten Wildschweins wird eine Kernzone eingezäunt (abhängig von der Situation vor Ort etwa drei Kilometer). Dort wird ein strenges Betretungs- und Jagdverbot erlassen, um die Tiere nicht aufzuscheuchen. »Dann warten wir, salopp gesagt, bis das Virus seine Arbeit macht«, erläutert Mettenleiter. In einer Pufferzone um das gefährdete Gebiet herum wird die Jagd dagegen intensiviert, um eine Ausbreitung eventuell infizierter Tiere zu vermeiden. Im gefährdeten Gebiet gelten Einschränkungen beim Transport von Schweinen und Schweineerzeugnissen, der Nutzung von geernteten Futtermitteln oder bei der Bejagung. Geht der Plan auf, sind schließlich alle Wildschweine innerhalb der Kernzone tot, und das Virus konnte sich nicht in die Pufferzone hinein ausbreiten. Besonders wichtig ist es, alle Kadaver aufzuspüren und fachgerecht zu entsorgen, denn die toten Wildschweine bleiben viele Wochen lang infektiös und können Erde, Sand oder Wasser mit dem Virus kontaminieren. Erst wenn in einer Region ein Jahr lang kein ASP-Fall mehr aufgetreten ist, gilt sie als seuchenfrei. Auch in Belgien hat man mit ähnlichen Maßnahmen die Seuche gut in den Griff bekommen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Besteht die Gefahr, dass das Virus auf Hausschweine überspringt?

Sollte das Virus auf Schweineställe überspringen, wie es zum Beispiel in Polen, Litauen und Rumänien geschehen ist, müssen alle Tiere in den betroffenen Ställen getötet werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. »Ich bin aber vorsichtig optimistisch, dass wir die Seuche vorher in den Griff bekommen«, sagt Mettenleiter. In Deutschland herrsche insgesamt ein guter Hygienestandard in der Schweinehaltung, man habe durch die Klassische Schweinepest schon Erfahrung im Umgang mit Schweineseuchen, und das ASP-Virus sei nicht so ansteckend wie etwa die Klassische Schweinepest.

Trotzdem empfiehlt Mettenleiter allen Schweinehaltern ihren Betrieb nochmals genau auf eventuelle Schwachstellen zu prüfen, um die Übertragung vom Wildschwein auf die Nutztierbestände zu verhindern. »Wir sollten jetzt nicht nur nach Brandenburg schauen, sondern auch in allen anderen Teilen der Republik wachsam sein«, sagt Mettenleiter. Es bestehe weiterhin die Gefahr, dass das Virus durch menschliche Aktivität in andere Regionen eingeschleppt werde. Dass sich etwa in Rumänien sehr viele Hausschweine infiziert haben, liegt auch an der dort noch weit verbreiteten Hinterhofhaltung, bei der wenige Tiere der Selbstversorgung dienen. Die Schweine suchen sich dabei oft selbstständig Futter im Umkreis des Dorfs und kommen dann leicht in Kontakt mit Wildschweinen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Sollte man Wildschweine stärker bejagen?

Nach einer aktuellen Hochrechnung des Deutschen Jagdverbandes haben in der Saison 2019/2020 die Jäger in Deutschland 856 000 Wildschweine erlegt. Das sind fast doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Inwieweit eine flächendeckend verstärkte Jagd auf Wildschweine bei der Eindämmung der Seuche helfen kann, ist allerdings umstritten. Viele Experten bezweifeln das, unter anderem weil sich die Wildschweinpopulationen auf Grund des üppigen Nahrungsangebots durch den Maisanbau und der milden Winter trotzdem vermehren oder zumindest rasch wieder erholen. Wahrscheinlich ist der Mensch selbst der gefährlichere Faktor bei der Verbreitung der Seuche.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte