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Kompaktlexikon der Biologie: Schilddrüse

Schilddrüse, Glandula thyreoidea, Thyreoidea, bei allen Wirbeltieren ausgebildete endokrine Drüse, die beim Menschen die größte Hormondrüse ist und im unteren Halsbereich liegt. Sie besteht beim Menschen aus zwei ovalen Lappen, die beiderseits von Luftröhre und Kehlkopf liegen und durch eine Brücke (Isthmus) verbunden sind, die einen Fortsatz haben kann, der zum Zungenbein zieht (Lobus pyramidalis) ( vgl. Abb. ). Ursprünglich aus einer exokrinen Drüse hervorgegangen, besteht sie aus zahlreichen mit Speichersekret (Kolloid) gefüllten Drüsenfollikeln oder Alveolen (alveoläre Drüse), die keine Ausführgänge besitzen und, in lockeres Bindegewebe eingebettet, von einem dichten Blutkapillarnetz umsponnen sind. Ihre Sekrete, das Triiodthyronin (T3) und Tetraiodthyronin (T4; Thyroxin), stimulieren die Zellatmung und erhöhen so den Grundumsatz, fördern die Proteinsynthese und den Abbau von Kohlenhydraten. Außerdem fördert Thyroxin zusammen mit dem Wachstumshormon (somatotropes Hormon) bei Kindern und auch bei vielen Jungtieren das körperliche Wachstum. In den Schilddrüsenfollikeln liegen T3 und T4 als Speicherform an ein globuläres Protein (Thyreoglobulin) gebunden vor und werden auf hormonale Signale (Thyreotropin der Hypophyse) hin freigesetzt und in die Blutbahn abgegeben. – Unterfunktion der S. (Hypothyreose) führt beim Erwachsenen zur Verlangsamung aller Stoffwechselvorgänge, oft verbunden mit Kropfbildung und teigigem Aussehen der Haut (Myxödem). Bei Kleinkindern kommt es bei Hypothyreose zur schwerwiegenden körperlichen und geistigen Retardierung (Kretinismus). Bei einer Überfunktion der S., der Hyperthyreose, ist der Grundumsatz gesteigert, die Patienten erscheinen übererregt, gelegentlich kommt es bei starker Hyperthyreose zum Hervorquellen der Augäpfel (Exophthalmus), selten zur Kropfbildung. Häufig können bei Schilddrüsenüberfunktionen Autoantikörper nachgewiesen werden. Diese Autoimmunerkrankung wird Morbus Basedow (Basedow'sche Krankheit) genannt. Stammesgeschichtlich und ontogenetisch geht die S. aus dem ventralen Abschnitt des Kiemendarms hervor, einer drüsigen Wimpernrinne (Endostyl), die bereits bei den Manteltieren (Tunicata), und beim Lanzettfischchen (Acrania) und daher auch bei den Wirbeltierahnen einen iodhaltigen Schleim produziert und sich bei den Rundmäulern vom Endostyl abfaltet und den Charakter einer eigenständigen Drüse annimmt.



Schilddrüse: 1 Schilddrüse des Menschen (Frontalansicht); 2 mikroskopische Aufnahme von Schilddrüsenfollikeln, teils mit Kolloid (Thyreoglobulin) gefüllt. Is Isthmus, Ke Kehlkopf, lL linker Lappen, Lp Lobus pyramidalis, Lu Luftröhre, rL rechter Lappen, Zb Zungenbein

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Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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