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Editorial: Ein Krieg - Viele Leidtragende

Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine fällt es mir schwer, ein »normales« Editorial zu schreiben. Das Leid der Zivilbevölkerung und die Drohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin bis hin zum Einsatz von nuklearen Waffen überschattet alle wissenschaftlichen Themen.

Dabei zieht der Konflikt längst auch die Forschung in Mitleidenschaft: Ukrainische Wissenschaftlerinnen fliehen nach Westen, ihre männlichen Kollegen dürfen das Land nicht mehr verlassen, um es im Notfall mit der Waffe verteidigen zu können. Universitäten und Museen werden ebenso beschossen wie Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser. Es herrscht entfesselte Gewalt gegen friedliche Zivilisten. Derweil bringen beispielsweise Biologen ihre Sammlungen in Sicherheit und laden Physikerinnen ihre Daten ins Internet hoch, um sie für später oder die Nachwelt zu sichern.

Außerhalb der Ukraine legen Forschungsinstitutionen Projekte mit Russland auf Eis: Das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich der »ExoMars«-Rover, eine gemeinsame Expedition der Europäischen Weltraumorganisation ESA mit der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos. Dessen Start war 2022 geplant und wurde inzwischen abgesagt. Es ist völlig unklar, ob es jemals so weit kommen wird. Und die Zukunft der ISS ist offen: der Internationalen Raumstation, auf der Russen, Amerikaner und Europäer bislang gut zusammengearbeitet haben.

Die globalen Folgen des Ukraine-Kriegs lassen sich bisher nur in Ansätzen ahnen: von verschärften Hungerkrisen in Afrika bis hin zu verstärkter Abholzung in brasilianischen Indigenenreservaten, weil Getreide oder Rohstoffe aus Russland und der Ukraine fehlen. Und der Krieg wird die globale Preisspirale für Energie, Nahrung und Konsumgüter weiter antreiben. Dabei hat die Inflation bereits durch Corona an Fahrt aufgenommen. Diesem Preisschub der letzten Jahre können wir uns leider nicht auf Dauer entziehen. Die gestiegenen Kosten für Energie, Papier und Transport führen daher bei »Spektrum der Wissenschaft« zu einer Preiserhöhung im Einzelverkauf (auf 9,30 Euro) und beim Abo um 0,45 Euro pro Ausgabe ab 1. April (siehe Impressum S. 97).

In der Hoffnung auf friedlichere Zeiten grüßt
Daniel Lingenhöhl

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