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Soziologie: Ein besseres Leben dank früher Selbstbeherrschung

Selbstdisziplin in der Kindheit fördert Gesundheit, Erfolg und persönliches Lebensglück im Erwachsenenalter. Das zeigt eine seit den 1970er Jahren laufende Längsschnittstudie.
Selbstbeherrschung bei Kindern

Im Jahr 1972 beschloss die medizinische Fakultät der kleinen neuseeländischen Stadt Dunedin, sämtliche zwischen April 1972 und März 1973 dort geborenen Kinder in eine Langzeitstudie aufzunehmen. Die Untersuchung dauert bis heute an, und die anfangs 1037 Teilnehmer sind vermutlich die bestuntersuchten Menschen der Welt.

Als wir sie kennen lernten, waren sie Teenager und wiesen beträchtliche Unterschiede in ihrem Verhalten auf, unter anderem in jener Eigenschaft, der ein Großteil unserer Forschung gilt: Selbstbeherrschung.

Zu den wesentlichen Fähigkeiten des Menschen zählt es, die eigenen Gedanken und Handlungen zu kontrollieren. Ein Mangel an dieser Fähigkeit kann in einer persönlichen Katastrophe enden, insbesondere in unserer heutigen schnelllebigen Welt mit ihren unendlichen Möglichkeiten, Ablenkungen und Versuchungen.

So zeigt uns die Werbung viele verführerische Dinge, für die man das Geld jetzt gleich ausgeben könnte, statt es fürs Alter zurückzulegen. Und an jeder Ecke gibt es leckere, kalorienreiche Nahrungsmittel, während die Arbeit den meisten Menschen verschwindend wenig Gelegenheit zu körperlicher Betätigung gibt – was erklärt, warum die westliche Welt mit einer wahren Epidemie der Fettsucht zu kämpfen hat. Kein Wunder, dass praktisch jedes Selbsthilfebuch seinem Leser zu größerer Selbstdisziplin zu verhelfen verspricht.

Heute schauen die Personalchefs bei den Bewerbern um einen Arbeitsplatz nicht nur nach einem guten Abschlusszeugnis, sondern auch nach Anzeichen von Gewissenhaftigkeit und Durchhaltevermögen – schlecht, wenn die Facebookseite des Bewerbers auf das Gegenteil schließen lässt. Damit ist die Selbstbeherrschung mehr als früher entscheidend nicht nur für das persönliche Wohlergehen, sondern auch für den Lebensunterhalt. …

Dezember 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Dezember 2014

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  • Quellen

Heckman, J. et al.: Analyzing Social Experiments as Implemented: A Reexamination of the Evidence from the HighScope Perry Pre-school Program. In: Quantitative Economics 1, S. 1 - 46, 2010

Knudsen, E. I. et al.: Economic, Neurobiological, and Behavioral Perspectives on Building America’s Future Workforce. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 103, S. 10155 - 10162, 2006

Moffitt, T. E. et al.: A Gradient of Childhood Self-Control Predicts Health, Wealth, and Public Safety. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 108, S. 2693 - 2698, 2011

Roberts, B. W. et al.: Patterns of Mean-Level Change in Personality Traits across the Life Course: A Meta-analysis of Longitudinal Studies. In: Psychological Bulletin 132, S. 1 - 25, 2006

Casey, B. J. et al.: Behavioral and Neural Correlates of Delay of Gratification 40 Years Later. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 108, S. 14998 - 15003, 2011

Center on the Developing Child at Harvard University: Building the Brain’s "Air Traffic Control" System: How Early Experiences Shape the Development of Executive Function. Working Paper No. 11, 2011

Heckman, J. J.: Skill Formation and The Economics of Investing in Disadvantaged Children. In: Science 312, S. 1900 - 1902, 2006