Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Nobelpreis für Chemie: Ein Baukasten für Reaktionen

Barry Sharpless und Morten Meldal haben höchst effiziente Reaktionen ersonnen, um verschiedenste organische Moleküle möglichst einfach herzustellen. Carolyn Bertozzi nutzte lebende Zellen als Reaktoren und begründete damit die bioorthogonale Chemie.
Chemie-Nobelpreisträger 2022: Carolyn Bertozzi (links), Morten Meldal (Mitte) und Barry Sharpless (rechts)

Alles begann im Grunde damit, dass Barry Sharpless im Jahr 2001 etwas zu beanstanden hatte. Und zwar nicht, weil er in jenem Jahr seinen ersten Nobelpreis für Chemie erhalten hatte. Sondern weil es seinem Fachgebiet aus seiner Sicht an geeigneten Methoden mangelte. Es spricht für ihn, dass er sich nicht nur beklagte. Stattdessen legte er das Fundament für einen neuen, extrem effizienten Typ chemischer Reaktionen. Für deren Entwicklung und Umsetzung bekam er nun zusammen mit dem Dänen Morten Meldal und der US-Amerikanerin Carolyn R. Bertozzi seinen zweiten Nobelpreis für Chemie zugesprochen. Sharpless ist nach dem Chemiker Frederik Sanger der zweite, der die Auszeichnung zweimal erhalten hat.

Sharpless bemängelte, dass sich die organische Chemie bei der Herstellung von Molekülen am Vorbild der Natur orientiere. Deren Syntheseprinzip, bei der eine so genannte Carbonylgruppe als Molekülbaustein im Mittelpunkt steht, sei aber ungeeignet, um schnell neue Stoffe mit gewünschten Eigenschaften zu erzeugen. »Mit einigen Milliarden Jahren und einem Planeten hatte die Natur reichlich Zeit und Material zur Verfügung. Wir Chemiker sind allerdings nicht in dieser glücklichen Lage, nicht zuletzt, da wir an menschliche Daseinsdauern gebunden sind«, schrieb er zusammen mit seinen Kollegen M. G. Finn und Hartmuth C. Kolb in der Fachzeitschrift »Angewandte Chemie«. Mit dem Aufsatz prägten die drei den Begriff Click-Chemie für ihre neue Art von Reaktionen.

Hierbei hatten die Wissenschaftler ein ganz praktisches Problem im Blick …

Kennen Sie schon …

Spektrum Kompakt – Humangenom - Was in unserem Erbgut steht

Vor über 20 Jahren wurden die ersten Entwürfe der Humangenomsequenz veröffentlicht. Doch verstanden ist das menschliche Erbgut noch lange nicht.

Spektrum - Die Woche – Der Genetiker, der den Neandertaler in uns fand

Festzeit für die Wissenschaft: Die Nobelpreise in Medizin, Physik und Chemie wurden verliehen. Lesen Sie ab sofort das Wesentliche zu den ausgezeichneten Forscherinnen und Forschern in »Spektrum – Die Woche«. (€)

Spektrum - Die Woche – Was Booster-Impfungen leisten können

Booster-Impfungen sind das Mittel, um die vierte Welle zu brechen, das befand aktuell wieder eine Expertengruppe. In dieser »Woche« geht es ausführlich um die Drittimpfung, aber auch um den Klimawandel. Denn noch immer verhandelt die Weltgemeinschaft in Glasgow über die Zukunft der Menschheit.

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Dube, D. H., Bertozzi, C. R.: Metabolic oligosaccharide engineering as a tool for glycobiology. Current Opinion in Chemical Biology 7, 2003.

Kolb, H. C. et al.: Click chemistry: Diverse chemical function from a few good reactions. Angewandte Chemie 40, 2001

Tornøe, C. W. et al: Peptidotriazoles on solid phase: [1,2,3]triazoles by regiospecific copper(i)catalyzed 1,3-dipolar cycloadditions of terminal alkynes to azides. Journal of organic chemistry 67, 2002