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Schlichting!: Von wegen 3-D!

Ein verdunkeltes Auge genügt, damit unser visuelles System zweidimensionale Bilder als räumlich wahrnimmt.

Wird abends in den Städten die Straßenbeleuchtung eingeschaltet, scheint eine Lampe nach der an­deren aufzuflammen – wie ein Lauffeuer breitet sich das Licht entlang den ­Straßen aus. Doch warum? Schließlich braucht das Licht von Lampe zu Lampe über den Daumen gepeilt gerade einmal eine millionstel Sekunde. Viel zu wenig, als dass unser visuelles System irgendwelche Unterschiede feststellen könnte.

Liegt es vielleicht an der langen Kupferleitung, die der Strom passieren muss? Elektronen bewegen sich in Leitern tatsächlich nur mit Geschwindigkeiten von typischerweise Zehntelmillimetern pro Sekunde. Doch entscheidend ist, wie schnell die Energie in die Lampe übertragen wird – und das geschieht eben doch mit Lichtgeschwindigkeit.

Das Phänomen hat wohl eher etwas mit der langen Leitung unserer eigenen Wahrnehmung zu tun. Das visuelle System reagiert auf einen schwachen Licht­reiz bis zu eine zehntel Sekunde später als auf einen starken. Bei zwei unterschiedlich intensiven Lichtsignalen zur selben Zeit sehen wir das schwächere Signal deshalb verzögert, weil es – nach überwiegender Ansicht der Fachwelt – in unserem visuellen System langsamer übertragen wird als ein stärkeres Signal. Diese Verzögerung, der so genannte "visual delay", ist dabei umso stärker, je schwächer das Licht ist...

Juli 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Juli 2012

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  • Quellen

Pulfrich, C.: Die Stereoskopie im Dienste der isochromen und heterochromen Photometrie. In: Die Naturwissenschaften 10, S. 553 – 564, S. 569 – 574, S. 596 – 601, S. 714 – 722, S. 735 – 743, S. 751 – 761, 1922

Wilson, J. A., Anstis, S. M.: Visual Delay as a Function of Luminance. In: The American Journal of Psychology 82,S. 350 – 358, 1969