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Aids-Forschung : Antikörper-Therapie befreit Mäuse vom Aids-Erreger

HIV

Dieser Artikel ist eine gekürzte Fassung eines Beitrags auf "Zeit Online"

Seit den 1990er Jahren gibt es antiretrovirale Wirkstoffe, die den Erreger des Immunschwäche-Leidens von der Vermehrung abhalten. Diese Medikamente versprechen zwar keine Heilung, können aber das Virus in Schach halten. Der Nachteil: Die Infizierten müssen bis an ihr Lebensende täglich Tabletten nehmen, die auf Dauer die inneren Organe schädigen und psychische Beschwerden auslösen können.

Eine Alternative zu dieser Behandlung haben nun Wissenschaftler um Michel Nussenzweig von der Rockefeller University in New York und seine Mitarbeiter erfolgreich getestet [1]. Sie entwickelten dazu eine Kombination aus fünf hoch potenten menschlichen Antikörpern und injizierten sie Mäusen, deren eigenes Immunsystem durch ein menschenähnliches ersetzt worden war.

Dies habe die Viruskonzentration im Blut auf ein nicht mehr messbares Niveau absinken lassen, erläutern die Forscher. Die Wirkung habe rund zwei Monate angehalten. Da die Antikörper im menschlichen Organismus noch länger überleben dürften, müssten damit behandelte Infizierte womöglich nur alle halbe Jahre nachspritzen.

Huldrych Günthard von der Abteilung für Infektiologie des Universitätsspitals Zürich sieht die Ergebnisse allerdings weniger euphorisch: Menschen hätten meist eine deutlich höhere Viruskonzentration im Blut als die Mäuse und seien zudem mit einer Vielzahl von Virusstämmen infiziert. "Bestenfalls könnte ich mir vorstellen, die Antikörper in Kombination mit antiretroviralen Medikamenten einzusetzen", sagt Günthard.

Er und seine Mitarbeiter von der Universität Zürich hatten bereits 2005 eine Kombination aus drei verschiedenen Antikörpern an HIV-infizierten Menschen getestet [2]. Allerdings mit wenig Erfolg: Nur bei zwei von acht Probanden hatte sich die Verbreitung des Virus verlangsamt.

Laut Nussenzweig seien die aktuell eingesetzten Antikörperklassen jedoch hundertfach potenter als die damaligen. Er ist deshalb optimistisch, dass die Antikörper nicht nur Mäusen, sondern auch Menschen helfen könnten. Im Vergleich zu den gängigen antiretroviralen Arzneimitteln wäre diese Antikörper-Therapie allerdings wesentlich teurer.

Antikörper sind vom Körper produzierte Abwehrmoleküle, die Eindringlinge erkennen und abwehren können. Die meisten HIV-positiven Menschen produzieren Antikörper, die nur eine Variante des Virus attackieren können. Da der Erreger seine Erscheinung aber ständig verändert, sind sie nutzlos. Nur wenige Menschen sind in der Lage, Antikörper zu bilden, die mehrere Formen des HI-Virus abwehren können.

Dieser Artikel ist eine gekürzte Fassung eines Beitrags auf "Zeit Online"

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