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Fisch-Rätsel: Atombomben verraten Alter von Walhaien

Wie alt Walhaie werden, war bisher rätselhaft - denn den größten Fischen fehlt ein Organ mit Jahresringen. Doch nun zeigt sich: Es geht auch mit Radioaktivität.
WalhaiLaden...

Walhaie sind die größten heute lebenden Fische – doch wie alt die Giganten sind, ist bislang unbekannt. Ihnen fehlen die als Statolithen bezeichneten »Ohrsteine«, deren Wachstumsringe das Alter von Fischen verraten. Eine Arbeitsgruppe um Mark Meekan vom Australian Institute of Marine Science in Perth hat nun eine Alternative zu den Steinen gefunden. Wie die Arbeitsgruppe in »Frontiers in Marine Science« berichtet, machen radioaktive Kohlenstoffisotope aus Atombombentests eine andere Zeitskala aus den Körpern der Walhaie zugänglich. Auch die Wirbel der Haie bilden nämlich regelmäßige Streifen aus – bis jetzt war allerdings unbekannt, wie oft das passiert. Die Analyse der Forscher zeigt: Es handelt sich tatsächlich um Jahresringe, deren Zahl dem Alter der Tiere entspricht.

Meekans Team entnahm Walhai-Wirbeln aus Pakistan und Taiwan Proben von diesen Ringen und maß den Gehalt des radioaktiven Kohlenstoffisotops 14C. Dessen Gehalt in der Atmosphäre stieg auf dem Höhepunkt der Atomtests auf das Doppelte an und fällt gleichmäßig wieder ab, seit selbst Atombombenentwickler bemerkten, dass es vielleicht keine gute Idee ist, die ganze Erde mit nuklearem Fallout einzunebeln. Für einige Anwendungen allerdings erwies sich diese Strahlungsspitze als durchaus hilfreich. Zum Beispiel kann man dank der Strahlungsspitze gefälschte Whiskys entlarven, denn jeder Jahrgang hat seine typische 14C-Konzentration. Das gilt gleichfalls für die Jahresringe im Walhai-Wirbel, so dass die Arbeitsgruppe zeigen konnte, in welchem Zeitraum die Ringe entstanden: genau ein Jahr pro Ring. Um herauszufinden, dass einer der Walhaie bei seinem Tod 50 Jahre alt war, mussten die Forscher nur noch zählen.

Kohlenstoffmethode: Atombomben verraten Alter von Walhaien (und Whisky)

Veröffentlicht am: 09.04.2020

Laufzeit: 0:01:11

Sprache: deutsch

15/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 15/2020

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