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News: Auf Albatros-Jagd

Wie verhalten sich Albatrosse auf ihren Jagdzügen? Fliegen sie geradlinig oder im Zickzack? Machen sie Pausen? Mit welcher Geschwindigkeit segeln sie über das Meer? Einige Antworten auf diese Fragen ermöglichten nun kleine GPS-Geräte, die mit den Vögeln einen Ausflug machten.
Mit seinen bis zu 3,5 Metern Spannweite gehört der Wanderalbatros (Diomedea exulans) zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Als Segelflieger, der sich bei Windstille nur kurze Zeit in der Luft halten kann, lebt er in der windreichen Region zwischen der Antarktis und den Landspitzen der südlichen Kontinente. Seine Hauptnahrung sind Tintenfische, aber auch Krebstiere und kleine Fische, die er manchmal aus der Luft, vorwiegend aber auf dem Meer schwimmend erbeutet.

Soweit das klassische Wissen aus dem Tierbuch. Der abgelegene Lebensraum macht es Forschern nicht leicht, weitere Einzelheiten aus dem Albatros-Alltag aufzuklären. Henri Weimerskirch vom Centre National de la Recherche Scientifique und seine Kollegen statteten daher mehrere Tiere mit kleinen GPS-Geräten aus, die bis zu 100 000 Einzelpositionen messen und speichern konnten. Diese digitalen Fahrtenschreiben sollten im Sekundentakt die Albatros-Jagdausflüge detailliert aufzeichnen – zum einen während der Brutzeit, wenn die Tiere zu langen Flügen aufbrechen, zum anderen während der Aufzucht des Jungen, bei der die Eltern in Küstennähe bleiben.

Die Daten stellen das Bild des unermüdlichen Seglers ein wenig in Frage. Denn knapp 60 Prozent der Zeit bewegten sich die Vögel mit maximal neun Kilometern pro Stunde fort – das heißt sie schwammen auf dem Meer. Waren sie jedoch in der Luft, ließen sie es nicht so langsam angehen: Mit durchschnittlich 55 Kilometern pro Stunde segelten sie dann über den Ozean. Und in immerhin etwa acht Prozent der Zeit erreichten sie sogar die für Albatrosse vermutete Reisehöchstgeschwindigkeit von über 85 Kilometern pro Stunde.

Die Windströmungen zwingen sie dabei zu einem Zickzack-Kurs. Die Forscher verglichen die direkte Strecke zwischen Start- und Landepunkt mit dem tatsächlichen Flugweg und stellten fest, dass die Vögel im Durchschnitt die doppelte Entfernung der kürzesten Verbindung zurücklegten. Während der Fütterungszeit schlugen sie mehr Haken, da sie dann im Schelfbereich vor der Küste kreuzten, wo sie die reichste Beute erwartete. Begaben sie sich hingegen zur Brutzeit auf längere Ausflüge, gingen sie die Reisen deutlich gezielter an.

Etwa alle zwei Stunden legten sie dann eine kleine Pause zum Wellenreiten ein – beziehungsweise um Beute zu fangen, für die sie sich selten aus der Luft herabstürzten. Die Aussicht auf das Mittagessen lässt sie denn auch besonders oft über dem Schelfbereich wassern, wo sie dann von Wind und Meeresströmung vorangetrieben werden.

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