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News: Auf die Dosis kommt's nicht an

Beinahe überall ist Radon zu finden. Eingeatmet kann das radioaktive Edelgas zusammen mit seinen kurzlebigen Tochterisotopen zu Lungenkrebs führen. Dabei könnte die Dosis weniger entscheidend sein als bislang vermutet, denn als ob eine strahlengeschädigte Zelle irgendein Signal aussendet, zeigen nach kurzer Zeit auch benachbarte, nie von Alphateilchen getroffene Zellen die gleichen Schäden.
Radon in der Bodenluft
Radon ist ein radioaktives Edelgas und entsteht infolge des Zerfalls von natürlich vorkommendem Radium, einem Zerfallsprodukt des Urans. Insbesondere in Regionen, wo der Untergrund aus granitischen Gesteinen besteht, können die Radonkonzentrationen kräftig ansteigen, etwa im Fichtelgebirge, im Schwarzwald, in Teilen des Bayerischen Waldes, Thüringens und Sachsens.

In der Bundesrepublik Deutschland beträgt die Radonaktivität in Wohnungen im Mittel 50 Bequerel pro Kubikmeter, doch wo in Regionen hoher Radonbelastung Bodenluft durch undichte Keller in die Raumluft gelangen kann, wurden vereinzelt schon Werte von bis zu 100 000 Bequerel pro Kubikmeter gemessen. Die Europäische Kommission empfiehlt eine maximale Radonkonzentration von 200 Bequerel pro Kubikmeter.

Noch gefährlicher als das Radon selbst, sind dessen kurzlebige Tochterprodukte, nämlich Polonium-, Blei- und Wismutisotope. An Staubpartikel gebunden gelangen sie leicht in die Lunge, wo sie aufgrund ihrer kurzen Halbwertzeit innerhalb weniger Minuten zerfallen und dabei Alpha- und Beta-Strahlen aussenden. Gerade die empfindlichen Bereiche der Lunge, das Bronchialepithel, ist somit hohen Strahlendosen ausgesetzt. Dies kann zu einer Veränderung der DNA in den Zellkernen führen und auf diese Weise Krebs hervorrufen.

In den USA führt Radon jährlich zu rund 17 000 neuen Lungenkrebserkrankungen, in Deutschland sind nach Angaben des GSF - Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg rund sieben Prozent der etwa 40 000 Lungenkrebsopfer pro Jahr auf die Strahlenbelastung durch Radon zurückzuführen.

Umso beunruhigender sind deshalb die Erkenntnisse von Hongning Zhou von der Columbia University in New York und seinen Mitarbeitern, die mit der weit verbreiteten Ansicht aufräumen, eine geringere Strahlendosis sei weniger gefährlich als eine hohe. Sie hatten Kulturen von Säugetierzellen jener Alphastrahlung ausgesetzt und konnten dabei sicherstellen, dass jede einzelne Zelle von genau einem Alphateilchen getroffen wurde.

Dabei zeigte sich, dass auch Zellen, die nicht direkt getroffen wurden, die gleichen Schädigungen aufwiesen, wie die bestrahlten Nachbarn - Schäden, die vor allem die DNA betreffen und zu Mutationen und schließlich Krebs führen können. "Es scheint, als ob die bestrahlte Zelle ein Signal an die Nachbarzellen aussendet, sodass diese gleichermaßen geschädigt werden", meint Zhous Mitarbeiter Gerhard Randers-Pehrson. "Was dort geschieht, wissen wir nicht." Jedenfalls scheint es gleichgültig zu sein, ob nur zehn Prozent der Zellen bestrahlt wurden oder alle: Der Umfang der Schäden ist beinahe der Gleiche.

Nun ist die Studie nach Aussage von Randers-Pehrson zwar kein Grund zur Panik, doch fordere sie eine Neubewertung der Grenzwerte für radioaktive Belastungen. So stünden Belastung und Krebsrisiko ganz offensichtlich nicht in direktem Zusammenhang miteinander, eine geringere Strahlenbelastung sei also nicht gleichbedeutend mit einem entsprechend geringeren Krebsrisiko.

Bei der Bewertung der Konsequenzen ihrer Arbeiten halten sich die Forscher zurück. Sie wissen, dass Zellkulturen einen lebenden Organismus nicht wiedergeben können. Auf jeden Fall offenbart sich hier ein weiteres Mal die möglicherweise unterschätzten Auswirkungen niedrig dosierter Strahlung auf die menschliche Gesundheit.

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