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Pharmazie: Blutdrucksenker gegen Muskelerkrankungen

Der Blutdruck senkende Wirkstoff Losartan könnte auch gegen Muskelerkrankungen eingesetzt werden. Tierversuche an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore zeigten eine Verbesserung der Muskulatur bei verschiedenen Krankheiten wie dem Marfan-Syndrom und der Duchenne-Muskeldystrophie.

Frühere Experimente der Arbeitsgruppe von Harry Dietz hatten bereits gezeigt, dass Losartan gegen die typische Aortenerweiterung beim Marfan-Syndrom hilft. Von der nach dem französischen Kinderarzt Bernard Marfan (1858–1942) benannten Erbkrankheit sind neben der Muskulatur vor allem die Blutgefäße betroffen. Insbesondere die erweiterte Aorta kann plötzlich reißen und damit zum Tode führen.

Der Wirkstoff Losartan gehört zu den so genannten Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten und wirkt Blutdruck senkend. Andererseits blockiert er auch den Wachstumsfaktor TGF-beta und greift damit in die Entwicklung der Muskulatur ein. Eine zu hohe Aktivität von TGF-beta schwächt das Muskelgewebe.

Die Forscher testeten daher Losartan bei Mäusen, die an einer Marfan-ähnlichen Krankheit litten – mit Erfolg: Nach sechs Monaten hatte sich das Muskelgewebe der Tiere wieder regeneriert.

Auch bei einer zweiten Krankheit, der Duchenne-Muskeldystrophie, wirkte das Medikament. Über mehrere Monate konnte der Abbau der Muskulatur bei Duchenne-Mäusen verhindert werden.

Der von dem französischen Neuropathologen Guillaume Duchenne (1806-1875) entdeckte Muskelschwund beruht auf einer Mutation auf dem X-Chromosom und betrifft etwa jeden 3500. neugeborenen Jungen. Die immer noch unheilbare Krankheit endet meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr wegen Aussetzens der Atmung oder der Herztätigkeit tödlich. (aj)
24.01.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 24.01.2007

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