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Australien: Buschbrände verursachten Gesundheitskosten in extremer Höhe

2019 und 2020 hüllten Buschbrände die bevölkerungsreichen Regionen Australiens monatelang in Rauch. Nun haben Wissenschaftler die finanziellen Folgen abgeschätzt.
Eine Rauchwolke am Horizont droht sich über die australische Ortschaft Tuncurry auszubreitenLaden...

In Australien brennt der Busch jedes Jahr. Das Ausmaß der Buschbrände in der Feuersaison 2019/2020 erreichte jedoch einen traurigen Rekord. Rund acht Millionen Hektar baumbestandenes Land gingen in Flammen auf. Teile der Ostküste wurden über Wochen oder gar Monate in Rauch gehüllt. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten dieser gesundheitlichen Extrembelastung mit schlechter Luft haben nun Wissenschaftler um Fay Johnston von der University of Tasmania und Kollegen abgeschätzt.

Auch in dieser Hinsicht war die Saison 2019/2020 außergewöhnlich. Während die vorhergehenden 19 australischen Sommer die Gesamtwirtschaft durchschnittlich 130 Millionen Euro kosteten, fielen im Jahr 2019/2020 umgerechnet 1,2 Milliarden Euro an. Das entspricht etwa dem Neunfachen, kalkulieren die Wissenschaftler in ihrer Studie im Fachblatt »Nature Sustainability«.

Vor 2019/2020 war die Feuersaison 2002/2003 die teuerste gewesen. Bei ihr betrugen die Ausgaben laut dem Team jedoch umgerechnet nur 347 Millionen Euro. Das zeige, wie extrem die Verhältnisse während der Brände über den vergangenen Jahreswechsel waren.

Johnston und Kollegen haben für ihre Studie abgeschätzt, wie oft Anwohner allein wegen der Rauchbelastung in Notaufnahmen und Kliniken gekommen sein dürften. In ihre Rechnung zogen sie die örtlich gemessene Schadstoffbelastung, die Bevölkerungsdichte und einen Risikofaktor ein, der angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit Menschen unter gegebenen Bedingungen eine behandlungsbedürftige Herz-Kreislauf-Erkrankung, Asthma oder eine Atemwegserkrankung entwickeln. Dabei ergaben sich geschätzte 3230 Klinikaufenthalte, für die die Wissenschaftler durchschnittlichen Lohnausfall und Behandlungskosten ermittelten. Sie kamen dabei auf einen Wert von umgerechnet 15 Millionen Euro.

Deutlich stärker fallen laut ihrer Auswertung dagegen die geschätzt 429 vorzeitigen Todesfälle ins Gewicht. Sie verursachten zusammengenommen einen wirtschaftlichen Schaden von rund 1,18 Milliarden Euro. Dabei legen die Forscher nicht die tatsächlichen Kosten eines Krankenhausaufenthalts zu Grunde, sondern ermitteln den Schaden anhand von Kennzahlen, die die australische Regierung vorgibt und die den »Wert eines statistischen Lebens« beziffern. Er orientiert sich an dem Betrag, den die Gesellschaft im Schnitt zu zahlen bereit ist, um ein Menschenleben zu retten oder um eine Anzahl von Jahren zu verlängern. Es handelt sich dabei um eine gängige Methode, die den finanziellen Schaden eines Todesfalls beziffert.

Die Kostenabschätzungen, die Johnston und Kollegen in ihrer Studie aufschlüsseln, ermöglichen es vor allem, den wirtschaftlichen Schaden von Brandsaison zu Brandsaison zu vergleichen. Sie zeigen aber auch, dass der Klimawandel, der weltweit Waldbrände begünstigt, nicht nur verheerende Folgen für Mensch und Natur hat, sondern auch, eben gerade durch indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung, die Wirtschaft mit beträchtlichen Kosten belastet.

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