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Ozonschädigung: Chinesische Firmen setzen offenbar heimlich FCKW frei

Seit Jahren wissen Experten, dass irgendjemand irgendwo in großem Stil FCKW freisetzt. Nun gelang es ihnen, die Quelle ausfindig zu machen: Sie liegt im Nordosten Chinas.
Petrochemische Industrie in der Provinz HebeiLaden...

Eigentlich dürfen FCKWs wie der hochpotente Ozonkiller Trichlorfluormethan (CFC-11) überhaupt nicht mehr verwendet werden. Ihr Einsatz ist weltweit durch das Montrealer Protokoll verboten. Doch offenbar hält sich nicht jeder daran: Atmosphärische Messungen zeigen, dass jährlich noch rund 11 000 Tonnen neu freigesetzt werden – vermutlich von Firmen, die das Gas inoffiziell verwenden.

Für immerhin geschätzte 7000 Tonnen CFC-11 konnte nun die Quelle eindeutig bestimmt werden: Sie stammen aus dem Nordosten Chinas, genauer gesagt aus den Provinzen Shandong und Hebei. Das berichtet ein internationales Forscherteam um Sunyoung Park von der Kyungpook National University im südkoreanischen Daegu im Fachmagazin »Nature«.

Erfolg hatten die Wissenschaftler dank einer detektivischen Spurensuche, bei der sie Luftmessungen in Japan und Südkorea auswerteten. Zuvor hatten ähnliche Messungen in Hawaii schon den Verdacht geweckt, dass die Quelle des neuen CFC-11 in China zu suchen sein würde.

Anlass zu der mehrjährigen Untersuchung hatte der zunächst mysteriöse Umstand gegeben, dass die Konzentration des Gases in der Atmosphäre ab 2013 mit einem Mal nur noch halb so schnell abnahm wie in den Jahren zuvor, mit 0,4 statt 0,8 Prozent. Experten seien sich schnell einig gewesen, dass die Ursache nur in neuen Emissionen liegen könne, schreibt das Wissenschaftsmagazin »Nature News«. Laut dem Bericht hätten chinesische Behördenvertreter bei Treffen zur Durchsetzung des Montrealer Protokolls eingeräumt, dass in ihrem Land illegal FCKWs produziert würden. Inwieweit die Regierung in der Lage sei, diesem Missstand ein Ende zu bereiten, sei allerdings offen.

CFC-11 wurde als Kältemittel in Kühlschränken eingesetzt. Experten vermuten aber, dass die chinesischen Produzenten mit dem FCKW Kunststoffe aufschäumen, die dann als Isolationsmaterialien eingesetzt werden. Dadurch wird der Stoff langfristig gebunden – das heißt, er gast erst im Lauf der Jahre langsam aus. Wie Stephen Montzka, Wissenschaftler der amerikanischen Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) erläutert, lässt das auf ein größeres Emissionsproblem schließen als gedacht. »In der Atmosphäre erfassen wir immer nur einen Bruchteil dessen, was produziert wird«, sagte er »Nature News«.

Womöglich wird also der Anteil dieses FCKWs in der Atmosphäre langfristig stabil bleiben. Hinzu kommt, dass für die verbleibenden jährlich freigesetzten 4000 Tonnen CFC-11 noch keine Quelle gefunden wurde. Kaum ein Fluorkohlenwasserstoff greift die Ozonschicht stärker an als CFC-11.

22/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 22/2019

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