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News: Disput um fossile Schlangenbeine

Schlangen sind eine der erfolgreichsten Tiergruppen der Erde. Doch wie sahen die Tiere aus, die am Anfang dieser Entwicklung standen? Unter Evolutionsforschern und Paläontologen gehen die Meinungen dazu auseinander. Die Urahnen könnten vergleichsweise kleine Landechsen gewesen sein, die verborgen in Spalten oder im Boden lebten. Es könnten aber auch die gewaltigen Mosasaurier gewesen sein, Meerechsen, die in der Kreidezeit in den Uferzonen auf Beute lauerten. Eine amerikanisch-israelisch-schweizerische Forschergruppe hat nun neue Argumente in die Debatte eingebracht.
Vor 95 Millionen Jahren lebte die fossile Schlange Haasiophis terrasanctus dort, wo heute Jerusalem ist. Damals erstreckte sich ein flaches Meer über die Westbank, erklärt Olivier Rieppel, Professor am Field Museum in Chicago: "Haasiophis ist eine meeresbewohnende Schlange, deren Schädel sie nahe zu relativ fortgeschrittenen Schlangen stellt, den sogenannten Makrostomaten." Dazu zählt man etwa die heutige Boas und die Pythons. Der Schädel der Haasiophis verweist aber auch auf einige heute lebende primitive Roll- und Walzenschlangen.

Das Reptil aus der Kreidezeit steht also zwischen den Entwicklungsstufen. Besonders interessant ist dabei die Tatsache, dass Haasiophis kleine, aber relativ gut entwickelte Hinterbeine besaß. Über eine Schlange mit rudimentären Hinterbeinen gab es erst kürzlich eine Veröffentlichung. Pachyrachis problematicus stammt ebenfalls aus der Westbank und teilte sich mit der Haasiophis den Lebensraum. Damals werteten die Forscher das Vorhandensein der Beine als Zeichen dafür, dass Pachyrachis besonders primitiv ist.

Dem widersprechen nun die Paläontologen um Olivier Rieppel. Sie haben beide Fossilien noch einmal genau unter die Lupe genommen und fanden heraus: Beide sind viel zu weit entwickelt, und damit von den Ursprüngen der Schlangen entfernt, um noch etwas darüber aussagen zu können. Rieppel stützt diese Meinung mit dem ungewöhnlichen Ansatzpunkt des Hinterbeines: "Der Oberschenkelknochen tritt von innerhalb der Rippen nach außen, während bei normalen vierbeinigen Tieren das Hinterbein unterhalb der Rippen liegt." Das spreche dafür, dass sich das Bein wieder entwickelt hat, nachdem es bereits verschwunden war. Überraschend sei das nicht, meint Rieppel: "Experimente an der Hinterextremitäten-Knospe bei Pythons haben gezeigt, dass bei ihnen zumindest noch ein gewisses Potenzial besteht, über das rudimentäre Stadium hinaus ein Bein zu entwickeln." Die Gene dazu werden bei Pythons in einem sehr frühen Stadium abgestellt. Durch ein Mutation könnte das verantwortliche Gen der beiden fossilen Schlangen aber mehr Zeit bekommen haben, ein Bein zu entwickeln.

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