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Strahlung: Europa leuchtet im Dunkeln grün

Der Mond leuchtet in Jupiters Magnetfeld wie ein alter Fernseher. Fachleute hoffen, dass der kuriose Effekt etwas über den Ozean unter dem Eis verrät.
Der Jupitermond Europa hat eine Oberfläche aus Eis, über das gezackte, rotbraune Risse laufen.

Die Nachtseite des Jupitermonds Europa könnte im Dunkeln ein grünliches Glühen aussenden. Darauf deuten Experimente hin, die ein Team um Murthy Gudipati vom California Institute of Technology in Pasadena mit Eis und Salz durchführte. Wie die Arbeitsgruppe in »Nature Astronomy« berichtet, leuchtet ein der Europa-Oberfläche nachempfundenes, auf 100 Kelvin (-173 Grad Celsius) abgekühltes Gemisch aus Wassereis und verschiedenen Salzen, wenn es mit hochenergetischen Elektronen bestrahlt wird. Die Elektronen stammen aus Jupiters Magnetosphäre, die den Mond einhüllt und permanent mit energiereichen Teilchen beschießt. Der Effekt ist mehr als eine Kuriosität: Im Eis enthaltene Salze verändern das Leuchten, so dass das Licht Aufschluss darüber geben könnte, aus welchen Stoffen sich die Oberfläche zusammensetzt.

Dieser als Lumineszenz bezeichnete Effekt entspricht dem Prinzip alter Röhrenbildschirme, bei denen ein Elektronenstrahl Farbstoffe zum Leuchten brachte. Das entstehende Lichtspektrum hat seinen Schwerpunkt im grünen Spektralbereich, reicht aber vom Ultraviolettbereich bis ins Infrarot. Möglicherweise flackert Europa sogar wie ein alter Fernseher mit den Schwankungen im Magnetfeld des Gasplaneten. Von der Erde aus ist das ausgesendete Licht nicht zu sehen, doch niedrig fliegende Sonden wie der von der NASA derzeit entwickelte »Europa Clipper« könnten die Strahlung nutzen, um Informationen über die im Eis gelösten Stoffe zu gewinnen. Das würde nicht nur Aufschluss über die Zusammensetzung des Ozeans im Inneren des Eismondes geben, sondern auch darüber, welche Reaktionen unter der harten Strahlung der Oberfläche ablaufen. Und damit auch, ob womöglich seit Jahrmillionen komplexe, energiereiche Stoffe zurück in den Ozean gelangen.

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