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Botanik: Fleisch fressende Pflanze nutzt Regentropfen zum Beutefang

Nepenthes gracilisLaden...

Die Kannenpflanze Nepenthes gracilis nutzt einen ungewöhnlichen Mechanismus, um ihre Opfer zu erbeuten: Regentropfen, die auf den Deckel ihres zur Falle umgebauten Blattes treffen, schleudern Insekten in die Kanne mit Verdauungssäften. Wissenschaftler um Ulrike Bauer von der University of Cambridge beobachteten die bisher einzigartige Strategie in Borneo, der Heimat dieser Art. Wie sie bei ihrer Untersuchung feststellten, ist die Unterseite des Deckels gerade griffig genug, dass Insekten darauf laufen können – die Schwingungen durch fallende Regentropfen allerdings reichen aus, damit die Beute den Halt verliert und in die Falle stürzt.

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Nepenthes gracilis | Die Kannenpflanze Nepenthes gracilis lockt Insekten mit süßem Nektar – und verspeist sie dann selbst.

Kannenpflanzen besitzen spezialisierte kannenförmige Blätter, die als Insektenfallen dienen: Süßer Nektar lockt die Tiere auf den Rand oder an die Innenseite der Trichter, wo sie an der glatten Oberfläche den Halt verlieren und auf den Boden der Kanne rutschen. Dort verdaut die Pflanze sie mit einem speziellen Sekret. Der Deckel, der die Falle von oben abschirmt, galt bisher nur als Regenschutz ohne besondere Fangfunktion. Am Deckel von N. gracilis jedoch entdeckten die Forscher einige Besonderheiten, die darauf hindeuten, dass ihr Fall anders gelagert ist. Zum einen sondert die Pflanze dort überproportional viel Nektar ab, zum anderen ist die Unterseite des Deckels teilweise mit säulenartigen Wachsstrukturen bedeckt. Ähnliche Wachsstrukturen bedecken die Innenseite des Kelchs und machen die Oberfläche für Insekten rutschig.

Unter normalen Umständen reichen die Zwischenräume zwischen den wächsernen Säulen des Deckels jedoch aus, um Ameisen Halt zu geben, beobachteten die Forscher. Sobald allerdings Regen einsetzte, fielen die Tiere dank der aufprallenden Tropfen reihenweise von der Deckelunterseite in den Kelch. Tatsächlich ist dieser Mechanismus für die Pflanze sehr einträglich: Wenn die Wissenschaftler die Deckelunterseite mit einem griffigeren Polymer bestrichen, landeten nur noch etwa halb so viele Beutetiere im Kelch. Dass die Falle nur bei Regen funktioniert, hat nach Angaben der Forscher durchaus Sinn: Wenn Ameisen den Nektar als verlässliche Nahrung entdecken, bescheren sie der Pflanze einen konstanten Strom potenzieller Beutetiere – so dass bei den kurzen Regenfällen Borneos fast immer ein Opfer in der Falle landet.

© Bauer U, et al.
Kannenpflanze mit Regenfalle
Auch Fliegen fallen dieser besonderen Technik bisweilen zum Opfer: Diesem Exemplar glückt aber noch die Flucht.
24. KW 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 24. KW 2012

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