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Afrika

Forscher finden genetische Spuren einer Geisterpopulation

Neandertaler und Denisovaner vermachten Europäern und Asiaten Teile ihres Genoms. Doch wer steckt hinter der archaischen DNA, die jetzt bei heutigen Westafrikanern auftauchte?
Frau in einem Maisfeld in Benin

Offenbar lebte im westlichen Afrika zeitgleich mit unseren Vorfahren mindestens eine weitere Gruppe von inzwischen ausgestorbenen Menschen. Wer sich hinter dieser »Geisterpopulation« verbirgt, ist offen. Denn den entscheidenden Hinweis auf ihre Existenz haben Forscher bisher ausschließlich indirekt gefunden: in den Genen von Angehörigen der Volksgruppe der Yoruba. Rund acht Prozent ihres genetischen Materials scheint auf die unbekannten Afrikaner zurückzugehen.

Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls Arun Durvasula und Sriram Sankararaman von der University of California in Los Angeles. Sie entwickelten ein Verfahren, mit dem sie in der DNA eines Menschen fremde Einsprengsel identifizieren können, ohne dass sie dazu das Erbgut in Frage kommender Spender benötigen.

Zunächst testeten sie ihre statistische Methode am Erbgut von Europäern und Asiaten. Wie zu erwarten, entdeckten sie dabei die genetischen Anteile, die die Neandertaler und Denisovaner dort hinterlassen haben. Dann analysierten sie das Erbgut von 50 Yoruba und fanden den mysteriösen Anteil fremder DNA.

Sonderlich gesundheitsförderlich scheint die Liaison zwischen den Ahnen der Yoruba und den Angehörigen der Geisterpopulation nicht gewesen zu sein. Durvasula und Sankararaman fanden Anhaltspunkte dafür, dass die Fremd-DNA von der Evolution verstärkt herausgefiltert wurde und nur in Bereichen überlebte, die keinem starken Selektionsdruck unterlagen. Lediglich einzelne importierte Gene – so etwa eines für die Tumorabwehr – dürften den Vorfahren der Westafrikaner einen gesundheitlichen Nutzen gebracht haben. Und das, obwohl sich die Gruppe der unbekannten Genspender erst wesentlich später von der Linie des modernen Menschen abgespalten haben dürfte als Neandertaler oder Denisovaner – sie waren mithin enger mit uns verwandt als die beiden eurasischen Menschenformen.

Die Ergebnisse der beiden Forscher, bislang nur auf dem Biologie-Preprint-Server »bioRxiv« publiziert, passen zu ähnlichen Befunden der jüngeren Vergangenheit. So hatten Wissenschaftler mit anderen Methoden in den Genen von Afrikanern Spuren eines Unbekannten entdeckt. Zudem kam zuletzt ein 13 000 Jahre alter Schädel zum Vorschein, der trotz seines geringen Alters Merkmale zeigt, wie man sie aus viel früheren Epochen kennt. Insgesamt sind materielle Hinweise auf die »Geisterpopulation(en)« des archaischen Homo sapiens jedoch Mangelware.

14/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 14/2018

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