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News: Früher Umweltfrevel

Sie sind berühmt für ihre riesigen Pyramiden und schufen eine der frühesten Hochkulturen der Neuen Welt, doch sie versündigten sich auch an ihrer Umwelt. Neue Untersuchungen belegen, dass die ältesten Mayakulturen sich selbst das Wasser abgruben, von dem sie abhingen.
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Als Hernan Cortez 1519 zu seinem blutigen Eroberungsfeldzug in Mittelamerika aufbrach, fand er nur die spärlichen Überreste einer längst vergangenen Kultur vor. Die Hochkultur der Maya, berühmt geworden durch ihre riesigen Pyramiden, hatte ihren Höhepunkt längst überschritten.

Die Geschichte der Maya reicht etwa 4000 Jahre zurück, als die ersten Siedlungen im Tiefland Mittelamerikas entstanden. Zum Ende der präklassischen Periode, zwischen 100 und 250 nach Christus, begannen die Mayasiedlungen aufzublühen. Wenig später setzte jedoch eine rätselhafte Flucht aus einigen tiefer gelegenen Siedlungsgebieten ein, und am Ende der klassischen Periode um 900 waren die meisten Städte des Tieflandes verlassen. Warum diese Flucht?

Diese Frage beschäftigte schon die Archäologen des 19. Jahrhunderts, als sie die Überreste der präklassischen Mayasiedlungen im Regenwald entdeckten. Rätselhaft blieben auch die bevorzugten Siedlungsplätze: Es handelte sich meist um sumpfige Mulden – auch bajos genannt –, die allerdings nur während der Regenzeit von Juli bis November feucht sind. Eine ganzjährige Wasserversorgung für eine Stadtbevölkerung scheint damit nicht gewährleistet.

Nicholas Dunning von der University of Cincinnati ist diesem Rätsel nachgegangen und analysierte zusammen mit seinen Kollegen mehrere der frühen Siedlungsplätze der Maya. Bei ihren Untersuchungen fanden die Wissenschaftler unter einer Tonschicht Torfsedimente mit Pollen von Bäumen, Mais und Wasserpflanzen. Daraus schließen die Forscher, dass die bajos in früheren Zeiten ganzjährig feucht waren, ab dem Jahr 100 – als sich die präklassische Mayaperiode ihrem Ende näherte – verschwand jedoch das Oberflächenwasser. Was war geschehen?

Dunning und seine Kollegen vermuten, dass die Maya sich selbst das Wasser abgruben: Um ihre wachsende Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen, neue Ackerflächen zu schaffen und ihren Holzbedarf für ihre Bauten zu decken, rodeten sie die umliegenden Wälder. Dies förderte nach Ansicht der Forscher eine zunehmende Erosion mit der Konsequenz, dass Sedimente in die bajos gespült wurden und diese damit trockenlegten.

"Wir glauben, es war eine Kombination aus natürlicher Klimaänderung und menschlichen Eingriffen", erklärt Dunning die ökologischen Probleme der Maya. "Die Maya selbst waren jedoch vermutlich durch das Abholzen der Wälder die Hauptschuldigen." Ihr Eingriff in die Natur führte zu "einer der bedeutendsten und lang anhaltendsten menschlich bedingten Umweltveränderung der präkolumbianischen Neuen Welt".

Aus der Not machten die Maya eine Tugend: Sie verließen ihre unwirtlich gewordenen Senken, entwickelten ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem und schufen schließlich eine der frühesten Hochkulturen Amerikas. Doch der Raubbau an der Natur ging weiter und hält bis zum heutigen Tage an. Als Dunning zu Beginn der neunziger Jahre seine Forschungen in Mittelamerika begann, war der größte Teil des Landes noch mit Wäldern bedeckt, die heute längst verschwunden sind. Der Wissenschaftler mahnt daher: "Unsere Ergebnisse zeigen, welche verheerenden und lang andauernden Konsequenzen das Abholzen der tropischen Wälder haben kann."

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