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News: Schicksalhafter Sonnenzyklus

Die Maya waren talentierte Astronomen. Ihre Aufzeichnungen sind umfassend und ihre Vorhersagen waren bereits erstaunlich genau, wenngleich sie die Ereignisse am Himmel nicht immer zutreffend deuteten. Nun scheint es, dass auch das Schicksal der hochstehenden Kultur eng verflochten mit dem Gang der Gestirne war - ganz so, wie es die Maya immer vermuteten. Denn Forscher nehmen nun an, dass eine periodische Schwankung in der Intensität unseres Gestirns, der Sonne, für ausgedehnte Dürren im Mayaland verantwortlich war.
Das Mayareich hatte den Höhepunkt seiner kulturellen Entwicklung schon längst überschritten, und viele ehemals wichtigen Stätten hatten an Bedeutung verloren und waren aufgegeben, bevor auch nur ein spanischer Eroberer den Fuß auf das einstige Herrschaftsgebiet setzte. Von der hochstehenden Kultur zeugen heute noch zahlreiche kunstvolle Artefakte und riesige Pyramiden inmitten der Tropenwälder Guatemalas sowie der mexikanischen Halbinsel Yukatan. Außerdem kannten die Maya ein ausgefeiltes Schrift- und Zahlensystem, einen Kalender und waren mit der Beobachtung astronomischer Ereignisse vertraut. Diese konnten sie teilweise mit erstaunlicher Genauigkeit vorhersagen. Es scheint nun fast Ironie des Schicksals zu sein, dass himmlische Vorgänge für den Niedergang des Mayareiches verantwortlich sein könnten.

Bereits 1995 äußerten David Hodell, ein Geologe der University of Florida in Gainesville, und seine Kollegen in einer Veröffentlichung die Vermutung, dass der Zusammenbruch des Mayareiches im neunten Jahrhundert unter anderem durch schwere Dürren ausgelöst wurde, die das Land 150 Jahre lang heimsuchten. Diese Erkenntnis gewannen die Forscher damals, als sie die Sedimentschichten von Bohrkernen aus dem Chichancanab-See, etwas nördlich des Zentrums Yukatans, untersuchten. Im Rahmen weiterer Forschungsarbeiten kehrten Hodell und seine Kollegen an diesen See zurück und zogen erneut Kerne aus der Tiefe.

Wie sich herausstellte, waren in bestimmten, regelmäßigen Abständen die Ablagerungen von Gips stark erhöht, was auf ein besonders heißes und trockenes Klima schließen lässt. Denn das Wasser des Chichancanab-See ist nahezu gesättigt mit Gips. Wenn nun in trockenen Perioden viel Wasser verdunstet, so fällt im starken Maße Gips aus und sammelt sich am Boden des Sees. Ähnlich wie die Ringe des Baumes die Klimabedingungen eines Jahres widerspiegeln, so verraten dem Geologen nun die Gipsablagerungen in den Sedimentschichten ebenfalls etwas über das Klima.

Hodell und seine Kollegen fanden heraus, dass es offenbar in einem Zyklus von 208 Jahren immer wieder zu besonders ausgeprägten Dürren kam. Dabei war diejenige in den Jahren zwischen 800 und 1000 offenbar nur eine von vielen einer Serie, welche die letzten 2600 Jahre umfasst. Eine der Schwersten ließ sich auf die Zeit zwischen den Jahren 125 und 210 datieren, in der auch andere bodenkundliche und archäologische Daten auf eine extreme Trockenperiode in El Mirador im Norden Guatemalas hindeuten. Die Maya verließen in dieser Zeit hier und an anderen Orten auf Yukatan ihre Stätten. Was verursacht nun aber die regelmäßig wiederkehrende Dürre?

Der Zyklus von 208 Jahren erinnerte die Forscher an eine andere, gut bekannte Periode von 206 Jahren. Dabei handelt es sich um die Zeitspanne, die zwischen zwei Phasen besonders starker Sonnenintensität vergeht. Wie die Wissenschaftler schnell herausfanden, herrscht eine Dürrezeit immer genau dann, wenn die Sonnenaktivität ihr Maximum hat. Da sich aber die auf der Erde empfangene Intensität zur Zeit eines Maximums gerade mal um ein Zehntel eines Prozents erhöht, muss ein besonderer Mechanismus den Klimaeffekt verstärken. Dieser jedoch ist bislang unbekannt.

"Solange wir nicht verstehen, wie die Natur sich im Klima widerspiegelt, können wir auch nicht verstehen, wie der Mensch das Klima auf lange Sicht beeinflusst", gibt David Verardo von der National Science Foundation zu bedenken. Immerhin bieten die vorliegenden Daten reichhaltige Informationen über die wiederkehrenden Dürren, die in ihrer verheerenden Wirkung alles in den Schatten stellen, was mit modernen Messmethoden aufgezeichnet werden konnte.

Wer weiß, vielleicht wussten schon die Maya um den Zyklus, der sich rund alle zweihundert Jahre zu wiederholen scheint? Angesichts ihrer Kenntnisse in der Astronomie und ihren Beobachtungen über Hunderte von Jahren hinweg würde es nicht allzu sehr verwundern. Hodell stellt jedenfalls fest: "Es ist ironisch, dass eine Kultur, die davon besessen war, himmlische Bewegungen zu erfassen, vielleicht ihrem eigenen Untergang begegnet ist – in Form eines Zyklus, der sich alle 206 Jahre wiederholt."

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