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Geologie: Großbritannien europäischer als gedacht

Viele Briten sind stolz auf ihre Unabhängigkeit von Europa. Dabei besteht ihre Insel doch zu einem größeren Teil aus europäischem Gestein, wie eine neue Studie belegt.
St. Michaels Mount in Cornwall

Im Großen und Ganzen besteht die britische Hauptinsel aus zwei Landmassen, die vor 400 Millionen Jahren miteinander verschmolzen sind. Das zeigt sich heute sogar noch durch kulturelle Unterschiede. Damals vereinigten sich zwei Plattenbruchstücke namens Laurentia – die das heutige Schottland umfasst – und Avalonia, auf dem sich nun Wales und England erstrecken. Zumindest gingen Geologen lange davon aus, dass es sich nur um zwei der so genannten Terrane gehandelt hat. Eine Studie von Arjan Dijkstra und Callum Hatch von der University of Plymouth in »Nature Communications« fügt diesem Puzzle jedoch noch ein drittes Stück hinzu. Bestimmte Mineraldaten aus Devon und Cornwall sprechen dafür, dass noch eine dritte Landmasse, Armorica genannt, an der Bildung beteiligt war.

Demnach existiert eine deutliche geologische Grenze, wobei die Gebiete nördlich davon zu Wales und England zählen, während jene südlich davon eigentlich ein Teil Frankreichs waren. Das erkläre beispielsweise den Reichtum an Metallen wie Wolfram oder Zinn, die in Devon und Cornwall ebenso wie in der Bretagne und im nördlichen Spanien gehäuft vorkommen, aber kaum im restlichen Teil Englands und Schottlands. »Es existiert eine klare geologische Linie, die Cornwall und den Süden Devons vom Rest Großbritanniens abgrenzt«, so Dijkstra. Bislang sei man immer davon ausgegangen, dass der Ärmelkanal Avalonia und Armorica trennt, doch die neue Studie widerlege dies, schreibt der Geologe in einer Mitteilung. »Wir wissen schon lange, dass man vor etwas mehr als 10 000 Jahren zu Fuß von Frankreich nach England gehen konnte; vor mehreren hundert Millionen Jahren allerdings waren die Verbindungen sogar noch stärker«, schließt Dijkstra.

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