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Neuer Temperaturrekord: Kälter kann es auf der Erde nicht werden

Der kälteste Ort der Welt ist sogar noch kälter: Analysen zeigen, dass die Temperaturen fast auf minus 100 Grad sanken - vermutlich die niedrigste mögliche Temperatur.
Bergspitzen ragen durch die antarktische Eiskappe.

Rund um den Südpol erhebt sich, höher als die Alpen, eine gewaltige Ebene aus Eis – das Ostantarktische Plateau, der lebensfeindlichste Ort der Welt. Hier werden auch die tiefsten Temperaturen des Planeten gemessen: Mehr als 93 Grad Celsius unter Null errechneten Fachleute im Jahr 2013 aus Satellitendaten. Tatsächlich aber war es sogar noch kälter, berichtet nun ein Team um Ted Scambos von der University of Colorado. Wie die Gruppe in »Geophysical Research Letters« schreibt, zeigt eine neue Analyse der Satellitendaten, dass die Oberfläche des Plateaus sogar bis zu minus 98 Grad kalt war – bei diesen Temperaturen werden bestimmte Materialien supraleitend.

Die Temperaturdaten basieren auf Messungen des Infrarotspektrometers MODIS an Bord des Satelliten Terra. Um aus den Strahlungsdaten die genaue Temperatur abzuleiten, muss man sie allerdings mit Messungen am Boden kalibrieren, und von denen gibt es auf dem Plateau nicht allzu viele. Deswegen ist die Temperaturangabe recht ungenau. Die Fachleute um Scambos vermuten allerdings, dass der Wert die tiefste überhaupt erreichbare Temperatur markiert. Gleich an mehreren Tagen wurde es fast exakt so kalt, so dass das Team hier ein physikalisches Kältelimit vermutet.

Für derart tiefe Temperaturen sind spezielle Bedingungen nötig. Am kältesten wird es am Boden flacher Vertiefungen, die Luft muss extrem trocken sein und der Himmel wolkenlos. Dann strahlen Eis und Luft am effektivsten Wärme in den Weltraum. Doch unterhalb einer bestimmten Temperatur sinkt die Temperatur nur noch sehr langsam, und die günstigen Bedingungen halten immer nur für begrenzte Zeit, so dass die Temperaturen selbst am lebensfeindlichsten Ort der Welt nicht unter minus 100 Grad fallen.

26/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 26/2018

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