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Wahrnehmung: Kompetenz sieht männlich aus

Personen mit maskulineren Zügen schätzen wir offenbar auf den ersten Blick auch als fähiger ein.
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Wenn wir anhand der äußeren Erscheinung die Fähigkeiten einer Person einschätzen sollen, dann gehen Kompetenz und Maskulinität offenbar Hand in Hand. Darauf deutet zumindest eine Untersuchung hin, die Forscher um DongWon Oh von der Princeton University im Fachmagazin »Psychological Science« veröffentlichten.

Die Wissenschaftler legten Versuchsteilnehmern zunächst in mehreren Experimenten Bilder von verschiedenen Gesichtern vor und baten sie darum, einzuschätzen, wie fähig die abgebildeten Personen auf den ersten Blick aussahen. Anhand der Ergebnisse entwickelten sie dann ein Modell, dass ihnen erlaubte, Fotos am Computer so zu manipulieren, dass die darauf gezeigten Menschen mal mehr, mal weniger kompetent erschienen. Diese Aufnahmen präsentierten DongWon Oh und Kollegen dann neuen Probanden. Dieses Mal ging es unter anderem darum, die Maskulinität der abgebildeten Personen zu beurteilen. Dabei entdeckten die Forscher, dass Gesichter, die so manipuliert waren, dass sie besonders kompetent aussahen, von den Versuchspersonen auch als besonders männlich eingeschätzt wurden. Zudem attestierte man den Gezeigten auch mehr Selbstvertrauen. Auch in einem Onlineexperiment betrachteten Probanden die auf Kompetenz geeichten Gesichter als eher maskulin, während die inkompetent wirkenden als femininer eingestuft wurden. Wie attraktiv die abgebildeten Personen waren, spielte dabei keine Rolle.

In einem abschließenden Versuch veränderten die Wissenschaftler schließlich männliche und weibliche Gesichter so, dass sie mal maskuliner und mal femininer wirkten. Männer sahen die Versuchspersonen dabei als umso kompetenter an, je maskuliner sie dargestellt waren. Bei den weiblichen Gesichtern galt dieser Zusammenhang ebenfalls – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt: Die maskulinsten Frauengesichter wurden am Ende schließlich wieder als weniger kompetent eingestuft.

»Unsere Forschung zeigt den verhängnisvollen Gender-Bias auf, der mit unserer Wahrnehmung anderer verknüpft ist«, so DongWon Oh. »Menschen mit einem maskulinen Aussehen schätzen wir als kompetent ein – und das kann unsere Führungsentscheidungen beeinflussen.« Die Ergebnisse der Wissenschaftler reihen sich damit in eine wachsende Anzahl von Studien ein, die zeigen, dass Führungsqualitäten heutzutage nach wie vor in erster Linie mit typisch männlichen Eigenschaften assoziiert werden. Doch leider sei eine kompetente Ausstrahlung eben nicht immer auch ein Hinweis auf tatsächlich vorhandene Kompetenz, sagt DongWon Oh. Die Forscher wollen deshalb als Nächstes ergründen, wie sich der Effekt eventuell abmildern lässt.

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