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Lebenswandel

Lemur schläft unterirdisch

Bei Winterschlaf denkt man zuerst an Braunbären, Siebenschläfer oder Igel. Doch auch in den Tropen überstehen verschiedene Wirbeltierarten ungünstige Jahreszeiten, indem sie in eine Ruhestarre fallen – mit dem Fettschwanzmaki (Cheirogaleus medius) aus Madagaskar befand sich darunter bislang aber nur eine Primatenspezies. Nun haben Marina Blanco vom Duke Lemur Center in Durham und ihre Kollegen jedoch entdeckt, dass noch zwei weitere Fettschwanzmaki-Arten sich während der Trockenzeit zurückziehen und schlafend auf bessere Bedingungen warten: In ihrem Lebensraum herrscht dann Mangel an Früchten und anderem Futter.

Schlafender Fettschwanzmaki
Schlafender Fettschwanzmaki | Für ihre Studie mussten die Biologen immer wieder die schlafenden Fettschwanzmakis ausgraben und ihre Temperatur und den Puls messen. Anschließend durften die Tiere natürlich weiterschlummern.

Im Gegensatz zu ihrem im Westen des Landes lebenden Verwandten, der in Baumhöhlen ruht, graben sich der Rückenstreifen-Fettschwanzmaki (Cheirogaleus sibreei) und der Rötliche Fettschwanzmaki (Cheirogaleus crossleyi) im Boden ein, um unterirdisch drei bis sieben Monate in extremer Starre zu verharren: Bis zu 50 Zentimeter tief graben sich die Primaten ein, mussten die Forscher feststellen, als sie nach den mit Sendern bestückten Tieren suchten. Wie andere Winterschläfer auch fahren die Lemuren dann ihre Körpertemperatur herunter, so dass sie sich relativ kalt anfühlen: Bis auf 10 bis 15 Grad Celsius kann dabei die Temperatur fallen. Außerdem verlangsamen sie ihren Puls auf wenige Schläge pro Minute und atmen nur noch einmal innerhalb weniger Minuten. "Für den zufälligen Beobachter erscheinen sie tot", so Blanco.

Ihre Schlafhöhlen graben sich die Tiere zudem selbst, obwohl sie keine Krallen, sondern Fingernägel besitzen, was die Arbeit erschwert. Bedeckt waren die Lemuren anschließend nicht nur mit Erde, sondern auch mit einer Wasser aufsaugenden Schicht aus feinen Wurzeln, Humus und Laub. Dass sich die Fettschwanzmakis in Erdhöhlen und nicht wie ihre westlichen Cousins in Baumlöcher zurückziehen, macht für Blancos Team Sinn. In den Regenwäldern des Hochlands im Osten der Insel können die Temperaturen während der kühlen Jahreszeit nachts durchaus bis auf null Grad Celsius oder tiefer fallen; gleichzeitig kann es tagsüber recht warm werden. In der Erde herrschen dagegen ausgeglichenere Bedingungen, so dass die Tiere nicht permanent ihre Körpertemperatur anpassen müssen. Und noch einen Vorteil besitzt die unterirdische Schlafstatt: Sie ist wohl sicherer als die Baumlöcher – mehrfach wurde schon beobachtet, wie Fressfeinde schlafende Lemuren aus ihren holzigen Behausungen zerrten.

19. KW 2013

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19. KW 2013

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