Direkt zum Inhalt

Demenzerkrankungen: Marihuana gegen Alzheimer-Krankheit?

Chronischer Marihuanakonsum schlägt zwar aufs Kurzzeitgedächtnis, doch enthält die Droge offenbar eine Substanz, die vor der Alzheimer-Krankheit und dem folgenden Gedächtnisverlust schützen könnte. Wie ein Forscherteam um Maria de Ceballos vom Cajal-Institut in Madrid bei Versuchen mit Ratten und menschlichem Hirngewebe feststellen konnte, hemmen die Cannabinoide die Entzündungsprozesse in den Gehirnzellen. Offenbar können sie die Aktivierung der Immunzellen verhindern, die diesen Prozess auslösen. Diese – die so genannten Mikrogliazellen – sammeln sich immer in der Nähe der für Alzheimer typischen Eiweißklumpen, den Amyloid-Plaques.

Zunächst verglich das Team um de Ceballos die Hirnzellen von verstorbenen Alzheimer-Patienten mit denen gesunder Personen, die im gleichen Alter gestorben waren. Ihre besondere Aufmerksamkeit richtete sich dabei sowohl auf die Mikroglia als auch auf die Rezeptoren CB1 und CB2 – zwei Proteine, die Cannabinoide binden. Dabei stellten sie fest, dass letztere in dem erkrankten Hirngewebe deutlich schlechter funktionierten als in den gesunden Zellen. Somit konnten die Cannabinoide offenbar nicht ihre schützende Wiirkung auf das Gehirn ausüben, vermuten die Forscher.

Zusätzlich spritzten sie Ratten, denen sie zum Teil auch Cannabinoide, verabreichten, Amyloide oder ein Kontrollprotein. Zwei Monate später wurde den Tieren beigebracht, in trübem Wasser eine Unterwasserplattform zu finden. Während die Tiere, die nur das Amyloid erhalten hatten, sich überhaupt nicht als lernfähig erwiesen, fanden sowohl die mit zusätzlich Cannabinoid behandelten Ratten wie auch ihre Artgenossen aus der Kontrollgruppe problemlos das Versteck.

Die Ergebnisse, dass Cannabinoide Entzündungsprozesse verhindern und das Gehirn schützen, könnte die Voraussetzung für ihren Einsatz in der Therapie von Morbus Alzheimer schaffen, hofft de Ceballos. Als nächstes will sie mit ihrem Team jenen Rezeptor näher untersuchen, der nicht am Marihuana-Rauscheffekt beteiligt ist.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte