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Nordeuropa: Klimawandel verringert Zahl der Bestäuber drastisch

Für viele Ökosysteme dieser Welt sind bestäubende Insekten unentbehrlich. Doch durch die Klimaerwärmung schwindet deren Zahl. Besonders krass fällt die Bilanz in Finnland aus.
Eine Röhricht-Goldeule sitzt auf einer Rinde.
Auf einer Rinde sitzt ein Nachtfalter der Art Plusia festucae, eine Röhricht-Goldeule. In der Region um das finnische Kittalä kommt das Insekt deutlich seltener vor als noch vor gut 120 Jahren.

Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich besonders deutlich in den arktischen Regionen – dort schreitet die Erwärmung offenbar viermal schneller fort als im weltweiten Durchschnitt. Das hat auch gravierende Folgen für die Tierwelt. So berichten Forscherinnen um Leana Zoller von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Fachjournal »Nature Ecology & Evolution«, dass sich die Populationen bestimmter Bestäuberinsekten im finnischen Lappland drastisch verringert haben. Vor allem bei Schwebfliegen und Nachtfaltern, die bei der Pollensuche auf bestimmte Blüten spezialisiert sind, verzeichnete die Arbeitsgruppe starke Rückgänge. Damit wäre auch der Fortbestand vieler Pflanzen gefährdet, die bei der Vermehrung auf die Bestäuber angewiesen sind.

Die Forscherinnen um Zoller dokumentierten 2018 und 2019 in der kleinen Gemeinde Kittilä, welche Insekten welche Pflanzen ansteuern und wie viele Bestäuber existieren. Warum sich die Wissenschaftlerinnen ausgerechnet diesen Ort in Lappland, zirka 120 Kilometer nördlich des Polarkreises, für ihre Studie ausgesucht haben, hat einen Grund: In den Jahren 1895 bis 1900 hatte ein Förster in Kittilä systematisch Bestäuber und Pflanzen erfasst. Seine Daten verglichen die Umweltforscherinnen nun mit ihren eigenen Ergebnissen.

»Wir haben drastische Veränderungen in den Netzwerken der Bestäuber festgestellt«, sagt Zoller laut einer Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Nur bei sieben Prozent der Blütenbesuche waren heute wie vor mehr als 120 Jahren dieselben Arten von Insekten und Pflanzen beteiligt. Laut Zoller sei das »überraschend wenig«.

Weniger Spezialisten, mehr Generalisten

Bei ihren Untersuchungen fanden die Forscherinnen auffällig wenige Schwebfliegen und Nachtfalter. Dafür seien nun mehr Hummeln und Fliegen in die Region um Kittilä unterwegs. Ob deren und die Bestäuberleistung der vorherigen Arten ungefähr gleich ausfällt, konnten Zoller und ihre Kolleginnen nicht feststellen. Bisher gäbe es auch noch keine Anzeichen dafür, dass die Pflanzen nicht ausreichend bestäubt würden. Doch Schwebfliegen und Nachtfalter sind stark spezialisiert und bestäuben bestimmte Pflanzen vermutlich effektiver als andere Insekten. So können Nachtfalter mit ihren langen Rüsseln den Nektar leichter aus röhrenförmigen Blüten sammeln.

Momentan scheinen andere Arten die Pollenübertragung von Nachtfaltern und Schwebfliegen übernommen zu haben, ohne dass dies zu einem merklichen Schwund im Pflanzenwachstum geführt hätte. Sollten sich aber die Populationen aller bestäubenden Insektenarten in Zukunft verringern, könnte das Bestäubernetzwerk zusammenbrechen. Laut den Forscherinnen hätten Studien gezeigt, dass weiter nördlich in der Hocharktis die Zahl bestimmter Fliegen auf Grund der Klimaerwärmung bereits rapide zurückgegangen sei.

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