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Biofluoreszenz: Schnabeltiere leuchten unter UV-Licht

Mit der UV-Lampe im Museum: Per Zufall entdeckten Forscher eine neue ungewöhnliche Eigenschaft des Eier legenden Säugetiers. Oder ist sie am Ende viel verbreiteter als gedacht?
Ein Schnabeltier im Eungella National Park im australischen QueenslandLaden...

Als Säugetier, das Eier legt und einen Schnabel hat, ist es ja ohnehin schon eine kuriose Erscheinung; nun können Fans noch einen weiteren Punkt auf die Liste der ungewöhnlichen Eigenschaften des Schnabeltiers setzen: Es leuchtet an Bauch und Rücken grün oder bläulich, wenn man es mit UV-Licht bestrahlt. Das berichten Forscher um Paula Spaeth Anich vom Northland College in Ashland, Wisconsin, und ihre Kollegen in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe von »Mammalia«.

Hinter der Entdeckung steht eine Reihe von Zufällen, wie das Magazin in einer Pressemitteilung berichtet. Demnach hatten Spaeth Anich und Kollegen mit Hilfe einer UV-Lampe nachts in einem Wald nach Flechten gesucht. Dabei entdeckten sie, dass nicht nur Flechten leuchten, sondern auch Gleithörnchen, die sich in den Bäumen ringsum befanden. Um diese Beobachtung zu verifizieren, gingen Spaeth und Kollegen mit einer UV-Lampe in ein Museum, um dort ausgestopfte Gleithörnchen zu untersuchen. »Es war eine Mischung aus Glück und Neugier, dass wir auch die Schnabeltiere in der Vitrine nebenan einmal angestrahlt haben«, sagt Spaeth Anich.

Nachdem sie zuerst das hellrosa Leuchten der Gleithörnchen der Fachwelt publik gemacht hatten, veröffentlichten sie nun ihre Entdeckung über die Schnabeltiere. An insgesamt drei Museumsexemplaren – Männchen wie Weibchen – in zwei Museen in den USA hatten sie ihre Entdeckung zuvor überprüft.

Ein Schnabeltier im sichtbaren und im UV-LichtLaden...
Ein Schnabeltier im sichtbaren und im UV-Licht | Ein Schnabeltier (Ornithorhynchus anatinus) zeigt typische Anzeichen von Fluoreszenz: Unter sichtbarem Licht wirken die entsprechenden Stellen unscheinbar braun, im »Schwarzlicht« leuchten sie dagegen hell auf.

Damit haben Forscher nun in drei großen Säugetierlinien diese so genannte Biofluoreszenz nachgewiesen: bei den Kloakentieren, zu denen das Schnabeltier gehört, den Plazentatieren, vertreten durch die Hörnchen, sowie einem dritten Zweig, den Beuteltieren auf dem amerikanischen Kontinent, wo man Biofluoreszenz bei einer Opossum-Art beobachtete. Das Phänomen tritt also bei weitläufig miteinander verwandten Gruppen auf, was dafür spricht, dass es die Säugetiere womöglich von Anfang an begleitete. Vielleicht ist es sogar noch viel häufiger, aber bislang unbeobachtet geblieben.

Messungen zeigen: Die fluoreszierenden Farbstoffe im Fell der Schnabeltiere absorbieren einfallendes UV-Licht und strahlen es als sichtbares Licht grünlich blauer Farbe wieder ab. Welchen Zweck das für das Schnabeltier hat, ist nicht sicher geklärt. Laut den Forschern könnte es der Tarnung dienen: Manche nacht- oder dämmerungsaktiven Beutegreifer spüren ihre Beute wahrscheinlich mit Hilfe ihrer Fähigkeit auf, UV-Licht zu erkennen. Weil die fluoreszierenden Farbstoffe das UV-Licht der Umgebung absorbieren, machen sie das Fell der Schnabeltiere jedoch dunkler im UV-Bereich und folglich schwerer zu entdecken.

Bei Opossum und Gleithörnchen könnte die UV-Färbung auch der Kommunikation mit Artgenossen dienen. Schnabeltiere verfügen dagegen über keinen ausgeprägten Sehsinn, sie orientieren sich in ihrer Welt hauptsächlich durch Tasten und ihren Elektrosinn, schreiben die Wissenschaftler.

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