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Komet auf seltsamer Bahn: Update: Neuer interstellarer Besucher gesichtet?

Ein Objekt rast mit großer Geschwindigkeit aufs Zentrum des Sonnensystems zu. Nun rätseln Fachleute: Ist der Komet ein Besucher aus einem fremden Sternsystem?
Aufnahme des Kometen Siding Spring vom Oktober 2014 mit dem Hubble Space Telescope.Laden...

Update, 12. September 2019, 7:00 Uhr MESZ: Das Minor Planet Center (MPC), das alle Entdeckungen kleiner Himmelskörper registriert, bezeichnet das bislang vorläufig gb00234 genannte Objekt nun als Kometen. Er heißt jetzt offiziell C/2019 Q4 (Borisov), benannt nach seinem russischen Entdecker Gennadij Borisow, der den Himmelskörper mit einem 65-Zentimeter-Teleskop auf der Halbinsel Krim aufspürte. Weitere Berechnungen seiner Bahn erhärten den Verdacht, dass sich C/2019 Q4 auf einer offenen hyperbolischen Bahn befindet und wohl tatsächlich der zweite interstellare Besucher ist.

Seit einigen Tagen beobachten Fachleute das möglicherweise zweite Objekt von außerhalb des Sonnensystems, das sich zwischen die Planeten verirrt – und es ist ein aktiver Komet. Laut den aus inzwischen mehr als 100 Beobachtungen gewonnenen Bahndaten folgt der Komet einer hyperbolischen Bahn, das heißt, er folgt keinem geschlossenen Orbit um die Sonne. Er wird von ihrer Schwerkraft nur abgelenkt und fliegt auf einer fast geradlinigen Bahn aus dem Sonnensystem hinaus ins Weltall. Die naheliegendste Begründung für ein solches Verhalten: Das vorläufig als gb00234 bezeichnete Objekt ist ein Besucher aus einem anderen Sternsystem. Damit wäre es nach dem im Oktober 2017 entdeckten 1I/'Oumuamua der zweite interstellare Gesteinsbrocken, der das Sonnensystem durchquert. Doch gb00234 ist deutlich heller und größer als sein Vorgänger, so dass Fachleute sich von ihm deutlich mehr Beobachtungsdaten und deutlich weniger Alien-Spekulationen erhoffen.

Nach den zurzeit verfügbaren Analysen seiner Flugbahn trifft der am 30. August 2019 entdeckte Komet aus Richtung des Sternbilds Kassiopeia nahezu senkrecht auf die Erdbahnebene, die Ekliptik, und wird der Sonne ungefähr so nahe kommen wie der Mars, bevor er wieder in den Weiten des Weltalls verschwindet. Wäre das Sonnensystem eine Dartsscheibe, träfe gb00234 demnach bequem das Zentrum. Noch allerdings sind Fachleute vorsichtig mit der Bewertung der bisherigen Bahnanalysen, denn das Objekt steht erst seit zwölf Tagen unter Beobachtung. Zwar sind sowohl Flugbahn als auch Geschwindigkeit für ein interstellares Objekt plausibel, aber bislang ist unklar, wie genau die Beobachtungsdaten sind, auf denen die Analyse basiert. Bei ausgedehnten Himmelserscheinungen wie Kometen ist es oft nicht ganz einfach, ihren exakten Ort am Himmel festzulegen. Außerdem scheint gb00234 ungewöhnlich hell zu sein, was bei so einem seltenen Objekt ein ziemlicher Zufall wäre. Andere Erklärungen für die bisherigen Daten, so zum Beispiel, dass nichtgravitative Kräfte die Bahn stark beeinflussen, sind allerdings wohl noch unwahrscheinlicher.

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