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Vielfalt als Barriere

Pflanzen, die aufgebrochen sind zu neuen Ufern, müssen sich in der Fremde erst einmal gegen die einheimischen Konkurrenten behaupten. Je vielfältiger die angestammte Gemeinschaft dort ist, desto schwerer gelingt es den Eindringlingen offenbar, ihr eigenes Plätzchen zu finden und das auch auf Dauer zu behaupten.
Versuchsrechteck
Quecke, Löwenzahn, Gänsefuß – die Pflanzen, die wir seit alters von Grünstreifen kennen, sind in Nordamerika nicht gerade willkommene Neubürger. Sie breiten sich dort immer weiter aus, dringen in die einheimischen Lebensgemeinschaften ein und stören so das ursprüngliche Verhältnis der Arten untereinander.

Theodore Kennedy von der University of Minnesota und seine Kollegen haben untersucht, wie leicht den Neuankömmlingen der Start in den bereits besiedelten Lebensräumen fällt. Die Wissenschaftler bepflanzten insgesamt 147 Parzellen mit einer unterschiedlichen Zahl einheimischer Arten und merzten zunächst mit Mahd und Bodenabtragung jeglichen Frühstarter fremder Spezies aus. Dann beobachteten sie über zwei Jahre hinweg, wie viele Einwanderer von angrenzenden Wiesen sich auf den Versuchsstücken erfolgreich etablieren konnten.

Je artenreicher die bereits angestammte Lebensgemeinschaft war, desto schwerer fiel es den Neuankömmlingen, Wurzeln zu schlagen: Stießen sie auf 24 einheimische Arten, reduzierte sich die Zahl der erfolgreichen Siedler um über 90 Prozent gegenüber den Flächen mit heimischer Monokultur. Die erfolgreichen Neubürger blieben bei vielfältiger Nachbarschaft außerdem deutlich mickriger.

Das Angebot an freiem Boden erwies sich dabei als wenig ausschlaggebend. Entscheidend war vielmehr, wie eng die Nachbarn zusammenrückten: In den artenreichen Versuchsflächen war nicht nur die Zahl der Arten und Individuen in einem Umkreis von zehn Zentimetern höher, auch ein Dichteindex, der sowohl die Distanz als auch die Größe der umgebenden Pflanzen berücksichtigt, stieg mit der ursprünglichen Artenzahl. Die Einwanderer konnten sich jedoch nur in Abschnitten behaupten, deren Dichteindex unter dem jeweiligen Durchschnitt lag.

Dichtere und artenreichere Lebensgemeinschaften erwiesen sich also als resistenter gegenüber den Einwanderern als artenarme und locker besiedelte Parzellen. Eine höhere Diversität wirkt daher offenbar tatsächlich als Barriere gegen Invasoren, wie der Ökologe Charles Elton bereits 1958 postulierte. Kennedy vermutet dahinter denselben Mechanismus, wie er beispielsweise für marine Ökosysteme bereits bekannt ist: Der verfügbare Platz und auch die Ressourcen des Standortes werden in einer artenreichen Gemeinschaft besser genutzt – für Neuankömmlinge bleibt da weniger übrig.

Die Ergebnisse bedeuten auch, dass Lebensräume mit schwindender Biodiversität zunehmend anfälliger für Invasoren sind. Naturschutz- und Aufforstungsmaßnahmen sollten daher Kennedy zufolge darauf achten, eine – den natürlichen Verhältnissen angepasste – möglichst diverse Lebensgemeinschaft zu fördern. Denn diese sind "im Allgemeinen sehr effektiv darin, unerwünschte Eindringlinge auszuschließen."

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