Direkt zum Inhalt

News: Vorsicht vor den 'Alten Griechen'!

Nach der klassischen Vorstellung besiedelten die altgriechischen Kolonialisten die Küstenregionen des Mittelmeeres und brachten dabei die Zivilisation mit. Selten wird berichtet, daß sie bereits bestehende Kulturen vorfanden und ausbeuteten. Niederländische Archäologen stießen aber bei ihren Forschungen in Süditalien auf Hinweise, nach denen die griechische Lebensweise die anders strukturierte, aber hochentwickelte Gesellschaft der Enotrier verdrängte.
Die Griechen gründeten ihre Kolonie, die später den Namen Sybaris erhalten sollte, in den weiten küstennahen Ebenen zwischen den auf Hügeln gelegenen Dörfern der einheimischen Enotrier. Nach der klassischen Geschichtsschreibung hielt erst mit dieser Landnahme die Zivilisation in jener süditalienischen Region Einzug. Die Arbeit der Archäologen von der University of Groningen weist jedoch auf eine ständige Besiedlung der Hügel um Sybaris hin, lange vor Ankunft der neuen Siedler.

Die dortige Bevölkerung stellte bereits Gefäße auf der Töpferscheibe her, verarbeitete Metalle, kannte Olivenöl und Wein. In den Resten ihrer Hütten, Gräber und Heiligtümer fanden die Forscher bemalte Vasen, Bronzekessel und Vorratsbehälter. Die erforderlichen Fähigkeiten hatten die Enotrier möglicherweise von den Mykenern und Phöniziern erworben.

Anders als die mykenische Gesellschaft kannte die Kultur der Enotrier keinen König, sondern stützte sich völlig auf Familienbande. Ausgrabungen an dem Heiligtum Timpone della Motta zeigten, daß die Enotrier einer lokalen weiblichen Gottheit huldigten, bevor die Griechen an derselben Stelle einen Tempel errichteten, der ihrer Athene gewidmet war. In einer dicken Ascheschicht dicht am Altar fanden die Archäologen eine Menge Bruchstücke bemalter Schalen, die Tierknochen enthielten. Um den Altar herum entdeckten sie Gewichte von Webstühlen, die mit Labyrinth-Motiven und Edelsteinen verziert waren. Diese Funde aus dem neunten und achten Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung zeigen, daß die Menschen damals in der Lage waren, Stoffe zu weben. Außerdem maßen sie dieser Tätigkeit und Einkommensquelle genug Wert bei, um ihre Gottheit um deren Schutz zu bitten. Nicht weit vom Altar entfernt stießen die Wissenschaftler auf Schmuck und Waffen aus Bronze und Eisen – Zeugnisse der Schmiedekunst.

In den zeitgenössischen Quellen griechischer Autoren werden die kolonialisierten Gebiete stets als unbesiedelt beschrieben und die Griechen als Träger der Zivilisation dargestellt. Diese Sichtweise haben Historiker späterer Epochen gerne übernommen. Doch nach Ansicht der niederländischen Forscher ist es langsam an der Zeit, sich mehr den ursprünglichen Kulturen der damals einheimischen Bevölkerung zuzuwenden.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte