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Weltraumwetter: Die Sonne ist aktiver als vorhergesagt

Sonnenflecken, Plasmaausbrüche, Sonnenstürme – im Zentrum unseres Sonnensystems geht es hoch her. Das wirkt sich etwa auf die Lebensdauer von Satelliten und die Raumfahrt aus.
Die Sonne emittierte am 31. März 2022 eine mittelstarke Sonneneruption, die um 14:35 Uhr EST ihren Höhepunkt erreichte.

Anders als vorhergesagt, ist die Sonne derzeit äußerst aktiv. Erwartet waren ein ruhiger Zyklus und ein mäßiges Maximum, doch die Zahl der Sonnenflecken und der solare Radioflussindex übertreffen die Modellrechnungen, wie Daten der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA zeigen. Das könnte das Klima beeinflussen und sich auf bemannte Raumfahrtmissionen auswirken.

In einem Rhythmus von etwa elf Jahren ändert sich die Aktivität unserer Sonne, Umwälzströme im Sonneninneren sind dafür verantwortlich. In diesem Zeitraum wechselt sie von einem Ruhezustand zu einer Phase mit gehäuften Sonnenflecken, Plasmaausbrüchen und Sonnenstürmen – Flares genannt –, um sich dann wieder zu beruhigen. Im Jahr 2019 hatten erste Flecken den Beginn des 25. Zyklus angekündigt, dessen Höhepunkt zwischen 2024 und 2026 erwartet wird. Schon jetzt zeichnet sich ab: Er könnte intensiver werden als gedacht.

Gute Hinweise darauf, wie aktiv der Stern im Zentrum unseres Sonnensystems ist, liefern etwa die Sonnenflecken sowie seine Radiostrahlung. Sonnenflecken sind dunklere Bereiche, die in der Photosphäre der Sonne zu sehen sind. Sie sind Folge eines starken magnetischen Flusses, der aus dem Inneren der Sonne nach oben drängt. Die Regel lautet: Je mehr Flecken zu sehen sind, desto aktiver ist die Sonne.

Der zweite gute Indikator für die Sonnenaktivität ist besagter solarer Radioflussindex, unter anderem auch als 10,7-cm-Strahlung oder solarer Flux bezeichnet. Dabei handelt es sich um die spektrale Flussdichte der solaren Radiostrahlung bei einer Frequenz von 2800 Megahertz. Der Index ist proportional zur Sonnenaktivität und korreliert mit der Zahl der Sonnenflecken.

115,3 Sonnenflecken pro Monat könnten schon bald erreicht sein

Derzeit liegen beide Richtwerte über dem erwarteten Durchschnitt. Das heißt, die Sonne ist aktiver als mit Hilfe von Modellen vorhergesagt. Ein Beispiel: Für Februar 2022 waren 31,5 Sonnenflecken erwartet worden, tatsächlich gemessen wurden 59,7. Ein weiteres: Man rechnete mit einem solaren Radioflussindex von 81,6 im Februar 2022, der Wert lag jedoch bei 109,2 Solar Flux Units. Damit nähert sich die Sonne nicht nur konsequent, sondern rasch dem berechneten Maximum von 115,3 Flecken sowie von 135,8 Solar Flux Units an. Inwiefern die Vorhersagen zu korrigieren sind, ist bislang nicht geklärt.

Eine aktive Sonne macht sich auf oder nahe der Erde durchaus bemerkbar. Ihre Stürme können etwa den Funkverkehr, die Stromnetze und die Navigationssignale beeinflussen oder Satelliten zerstören. Letzteres hatte sich Anfang Februar 2022 zuletzt gezeigt: SpaceX verlor damals dutzende Geräte, weil sie vom Sturm erfasst aus der Umlaufbahn fielen und verglühten. Dass mit der Aktivität die Strahlung im Weltraum steigt und gefährliche Strahlungsausbrüche wahrscheinlicher werden, ist zudem für geplante Raumfahrtmissionen relevant. Außerdem wirkt sich die Sonne auf das Erdklima aus. Allerdings weniger als manch einer behauptet. Selbst wenn die Sonnenaktivität wieder zurückgehen und das vorhergesagte Maximum doch noch eingehalten werden sollte, würde das nur wenig an der von Menschen beschleunigten Erderwärmung ändern. Das haben in den vergangenen Jahren mehrere Studien belegt.

Die Vorhersage stammt von dem Solar Cycle Prediction Panel, in dem die NOAA, die amerikanische Weltraumagentur NASA und die International Space Environmental Services vertreten sind. Die Daten gelten als offizielle Vorhersage für den Sonnenzyklus, wobei die Prognosen unsicher sind, wie die aktuelle Entwicklung belegt.

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