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Silberfunde: Wie die Phönizier dem Silber nachjagten

Was trieb die Phönizier dazu, Kolonien im gesamten Mittelmeer zu gründen? Isotopenanalysen deuten darauf hin, dass Silber bei ihrer Expansion eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte.
Phönizischer Silberhort Ein HofezLaden...

Die Phönizier sind ein rätselhaftes Volk. Oft untereinander verfeindet, kolonisierten sie von ihren Küstenmetropolen im heutigen Libanon und Israel aus fast den gesamten Mittelmeerraum während des 1. Jahrtausends v. Chr. Eine ihrer berühmtesten Gründungen ist Karthago. Doch die tapferen Seefahrer wagten sich auch bis an die Atlantikküste vor. Wann und warum genau sie aus ihrer Heimat aufbrachen, um bis an den Rand der damals bekannten Welt vorzustoßen, ist umstritten. Nach bisheriger Auffassung der meisten Altertumsforscher sollte dies kaum vor 800 v. Chr. geschehen sein.

Neue Untersuchungen von Silberfunden legen nun jedoch nahe, dass sie sich wohl bereits früher ins Unbekannte vorwagten. Archäologen um Tsilla Eshel von der Universität in Haifa fanden heraus, dass die Phönizier das Edelmetall vermutlich bereits im 10. Jahrhundert v. Chr. in Sardinien und im 9. Jhd. v. Chr. sogar im Südwesten der Iberischen Halbinsel abbauten und in ihre Heimatstädte importierten. Die mutmaßliche Herkunft des Silbers ermittelten die Wissenschaftler mittels Bleiisotopenanalysen.

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Phönizisches Silber | Hortfund aus Dor (10. Jahrhundert v. Chr.).

Wie sie in ihrem Beitrag für das Fachmagazin »PNAS« schreiben, analysierten sie fast zehn Kilogramm Silberbruchstücke aus drei Hortfunden im heutigen Israel. Das der beiden ältesten Hortfunde Dor und 'Akko stammte den Isotopensignaturen zufolge aus dem südanatolischen Taurusgebirge, enthielt aber auch einige Stücke aus sardischen Lagerstätten. Der jüngere Fund aus 'Ein Hofez hingegen barg fast ausschließlich Silber aus Erzquellen im Süden und Südwesten der Iberischen Halbinsel, das ab dieser Zeit offenbar den levantinischen Markt dominierte.

Ein Hinweis darauf, dass die tapferen Seefahrer bereits im 10. Jahrhundert v. Chr. an den westlichen Rand der antiken Welt vorgestoßen sein könnten, findet sich auch in der Bibel. Das Erste Buch der Könige berichtet von Expeditionen, die König Salomon gemeinsam mit dem Phönizierkönig Hiram von Tyros unternommen hat, um Gold, Silber und andere Luxusgüter aus einem Land namens Tarschisch in ihre Heimat zu bringen. Damit könnte das Königreich von Tartessos in Südwestspanien gemeint sein, das in der Antike für seinen sagenhaften Silberreichtum bekannt war. Und auch griechische und römische Quellen berichten, dass die Phönizier dort einst Silber gewonnen haben. Das Edelmetall könnte sogar der Grund gewesen sein, warum die Levantiner sich überhaupt erst auf die gefährliche Seereise machten und selbst jenseits der »Säulen des Herakles« Kolonien wie Gádir und Huelva gründeten. Die Straße von Gibraltar gilt auch heute noch als schwer durchschiffbar.

09/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 09/2019

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