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Mikroplastik: Wie Kontaktlinsen zum Umweltproblem werden

Einmal-Kontaktlinsen wirken so empfindlich, da macht es doch nichts, sie in der Toilette zu entsorgen? Falsch gedacht: Die Linsen überstehen auch die Kläranlage.
Kontaktlinse auf einem Finger

Einmal-Kontaktlinsen sollte man nach Gebrauch nicht in Toilette oder Ausguss entsorgen, sondern in den Hausmüll geben. Dazu raten Forscher, die sich angeschaut haben, welchen Weg die Linsen nach dem Wurf ins Abwasser nehmen: Die vermeintlich so empfindlichen Sehhilfen waren nach den üblichen 172 Stunden in der Kläranlage nur minimal abgebaut. Sie landen dadurch im Klärschlamm, der wiederum häufig auf Äckern ausgebracht wird. Sofern sie nicht mit anderem Mikroplastik im Erdboden überdauern, werden sie über das Oberflächenwasser in Flüsse und schließlich ins Meer gespült.

Diese Schlussfolgerungen präsentierten Charles Rolsky von der Arizona State University und Kollegen jetzt auf einer Fachtagung der American Chemical Society, wie das Magazin »Scientific American« berichtet.

Das Forscherteam unternahm auch den Versuch, das Problem für die USA zu quantifizieren. So ermittelten sie zunächst, wie viele Kontaktlinsen in den Vereinigten Staaten jährlich getragen (und auch weggeworfen) werden: rund 14 Milliarden Stück. Eine Umfrage unter 400 Linsenträgern ergab zudem, dass etwa jeder Fünfte seine abgenutzten Sehhilfen über die Kanalisation entsorgt. Dies bedeute, so Rolsky und Kollegen, dass pro Jahr annähernd 20 Tonnen Kontaktlinsenmüll im Klärschlamm landen, wovon rund die Hälfte wieder in die Umwelt gelangt. Für Deutschland liegen keine entsprechenden Zahlen vor, das Ausmaß dürfte jedoch in einer ähnlichen Größenordnung liegen.

Über die Umweltfolgen des Linsenmülls ist nicht viel bekannt. An der Luft werden die Linsen schnell hart und brüchig, wodurch sie sich zu immer kleineren Partikeln zerreiben, die wiederum von Kleinstlebewesen aufgenommen werden und sich so in der Nahrungskette anreichern. Dass das Linsenmaterial so stark wasseranziehend ist, könne auch dazu führen, dass sich darin gefährliche Substanzen wie zum Beispiel Pestizide konzentrieren, heißt es bei »Scientific American«.

Freilich sind die insgesamt zehn Tonnen Plastikmüll, die in den USA durch Einmallinsen in die Böden gelangen, ein geringes Problem, wenn man sie mit der Gesamtmasse an freigesetzten Kunststoffen vergleicht. Allerdings reicht in diesem Fall schon eine kleine Verhaltensänderung, um den Schaden zu minimieren – die Linsen im Müll zu entsorgen, macht kaum mehr Arbeit. Hersteller sollten per Packungsaufdruck die Konsumenten dazu ermuntern, fordern die Wissenschaftler.

Während Mikroplastik durch Einkaufstüten und Co. derzeit stark im Fokus der Öffentlichkeit steht, weist die Untersuchung von Rolsky und Kollegen einmal mehr auf weniger augenfällige Quellen des Mülls hin. Als wichtiger Verursacher von Mikroplastik gelten beispielsweise auch Kunststofffasern in Textilien, die beim Waschen ins Abwasser und dann in die Umwelt geraten, wo sie kaum abgebaut werden. Als zweitwichtigste Quelle für Mikroplastik im Meer haben Wissenschaftler moderne Sportplätze im Verdacht: Das Granulat auf Kunstrasen wird vom Regen ausgewaschen und ebenfalls in die Kanalisation geleitet, wo es denselben Weg nimmt wie die Kontaktlinsen.

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