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Artenschutz: Zufütterung beeinflusst Geschlechterverhältnis bei Küken

Die Bereitstellung von zusätzlichem Futter, um die Paarungsbereitschaft zu erhöhen und die körperliche Kondition der Weibchen zu verbessern, kann bei bedrohten Tierarten zu einer unerwünschten Verschiebung des Geschlechterverhältnisses beim Nachwuchs führen.

Dies entdeckten Biologen um Bruce Robertson von der Universität Canterbury im neuseeländischen Christchurch während ihrer Arbeit im Artenschutzprogramm für den vom Aussterben bedrohten Kakapo (Strigops habroptilus). Die auch Eulenpapagei genannte Art gerät eigentlich nur in Brutstimmung, wenn ihre bevorzugte Nahrung – die Früchte des Rimu-Baums (Dacrydium cupressinum) – in ausreichender Menge vorhanden ist. Da entsprechende Mastperioden nur alle drei bis sechs Jahre vorkommen, ist die Brutrate relativ gering.

Aus diesem Grund werden die Tiere seit 1989 zusätzlich mit Früchten und Nüssen versorgt. Dadurch verbesserten sich neben dem körperlichen Zustand der Weibchen auch die Überlebensquote von Eiern und Küken. Zudem erhöhte sich die allgemeine Brutfrequenz.

Doch das Programm zog als negative Konsequenzen nur Fettleibigkeit der Weibchen in Betracht. Durch die Zusatzfütterung verschob sich auch das Geschlechterverhältnis der Küken: Die Weibchen erbrüteten nun zu siebzig Prozent Männchen. Die Mehrzahl der überlebenden Vögel waren aber außerdem ohnehin Männchen, sodass dieses Missverhältnis die Art nun zusätzlich bedrohte.

Deshalb stellten die Wissenschaftler in der Folge das Ernährungsprogramm ab 2001 um. Nun wurden bis zur Paarungszeit nur noch Weibchen mit einem Gewicht von weniger als 1,5 Kilogramm Gewicht zusätzlich versorgt, um sie in Brutstimmung und -kondition zu bringen. Die Individuen, die schwerer waren, blieben dagegen außen vor. Auf diese Weise wollten die Forscher verhindern, dass die Tiere ein Gewicht erreichen, bei dem sie bevorzugt in die Entwicklung von männlichen Küken in ihrem Körper investieren. Nach der Verpaarung erhielten dann alle Tiere wieder Zusatznahrung.

Durch das neue Futterregime gelang es Robertson und seinen Kollegen 2002 nicht nur 20 von 21 erwachsenen Weibchen zum Brüten zu bringen, die 24 Nestlinge groß zogen, sondern auch das Geschlechterverhältnis umzukehren. Das Ergebnis waren 15 Weibchen und 9 Männchen.

Damit gelang es den Wissenschaftlern erstmals, durch eine gezielte Manipulation der Weibchen Einfluss auf Verhältnis von männlichen zu weiblichen Küken zu nehmen. Sie wollen allerdings den Einfluss anderer Faktoren als der Futterbereitstellung nicht ausschließen. Wegen der immer noch sehr niedrigen Population der Kakapos von weniger als 90 Tieren lässt dies allerdings nicht zu.
13.01.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 13.01.2006

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