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Schattendasein

Massive Niedergeschlagenheit, ständige Freudlosigkeit oder lähmende Angst vor den Anforderungen des täglichen Lebens: Etwa jeder Zehnte in Deutschland verspürt im Laufe seines Lebens eines der Symptome einer behandlungsbedürftigen Depression. Doch nur zu oft reagieren Familie und Freunde mit Unverständnis auf die Klagen des Patienten, der sich – statt zum Arzt zu gehen – lieber "etwas zusammenreißen" soll.

Hier ist Aufklärung nötig, für die sich Ulrich Hegerl, David Althaus und Holger Reiners schon seit Jahren engagieren. Sie haben ihre Erfahrungen und neue Forschungsergebnisse nun in "Rätsel Depression" zusammengefasst. Entstanden ist ein leicht lesbares Fachbuch – nicht nur für Betroffene und ihre Angehörigen, sondern auch für Psychologen und Mediziner. Das Autorenteam beschreibt darin den Unterschied zwischen der "normalen" Verstimmung und dem Bild einer depressiven Erkrankung und gibt einen Überblick über verschiedene Modelle, die erklären, wie eine Depression entsteht.

In einem historischen Exkurs bis in die Antike berichten sie uns außerdem über den veränderten Blick auf diese psychische Krankheit: Im Unterschied zu heute wurde die Melancholie früher eher mit Genialität und Kreativität in Verbindung gebracht.

Zu den Themen im Buch gehört auch die Therapie der Depression: Als leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie der Universität München und Mitbegründer der Nürnberger Organisation "Bündnis gegen Depression" favorisiert Hegerl wie auch der Psychologe Althaus die Kombination von Psychotherapie und Antidepressiva. Sie stellen detailliert die Wirkweisen verschiedener Medikamente dar und erklären Verfahren wie etwa die Verhaltenstherapie. Gleichzeitig scheuen beide nicht den Blick über den Tellerrand. Sie sprechen Behandlungen an, die über die klassische Schulmedizin hinausgehen und diskutieren Möglichkeiten und Grenzen von Naturheilverfahren.

Zudem widmen sie dem Suizid ein eigenes Kapitel – und beweisen neben Fachkompetenz viel Einfühlungsvermögen. Praxisbeispiele gelungener Suizidprävention machen dieses Kapitel wertvoll wie spannend für den Leser. Fazit: Den Autoren gelingt es, neben medizinischen Fakten die Situation von Betroffenen und Angehörigen authentisch darzustellen. An vielen Stellen im Buch finden sich zudem wertvolle Hinweise für den Umgang mit depressiven Patienten. Eine Bereicherung stellen auch die Berichte Holger Reiners dar, der früher selbst unter Depressionen litt.

"Das Rätsel Depression" ist ein wirklich überzeugendes Buch, das sicher seinen Beitrag zur Aufklärung dieser oft missverstandenen Krankheit leisten wird.

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  • Quellen
Gehirn&Geist 7–8/2005

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