Direkt zum Inhalt

Kompaktlexikon der Biologie: Leporidae

Leporidae, Hasenartige, Fam. der Hasentiere (Lagomorpha) mit 44 Arten in zehn Gatt., die fast weltweit verbreitet sind, wobei sie in Australien und Neuseeland vom Menschen eingeschleppt wurden. Das Fell ist meist rötlich- bis graubraun, wobei viele Arten einen deutlichen Unterschied zwischen Sommer- und Winterfell zeigen (z.B. Schneehase). Die Ohren („Löffel“) sind i.d.R. auffällig lang, bei Hasen stets mit schwarzer Ohrspitze und länger als bei Kaninchen. Wie bei allen Hasentieren sitzen die großen Augen seitlich am Kopf. Die Oberlippe besteht aus zwei getrennten Hautfalten („Hasenscharte“), der Hals ist schlank und einziehbar. Die Hinterbeine und -füße sind lang und ermöglichen eine schnelle Fortbewegung. Man unterscheidet die Echten Hasen (Gatt. Lepus) mit den Hasen und Jackrabbits und die Kaninchen mit den übrigen neun Gatt. Von den Echten Hasen gibt es in Europa nur zwei Arten: Der 40 bis 70 cm körperlange Feldhase (Lepus capensis) ist über weite Teile Eurasiens verbreitet und bewohnt bevorzugt offene Landschaften. Er drückt sich bei Gefahr nieder, verhält sich ganz ruhig und beobachtet. Die Häsin setzt zwei- bis viermal im Jahr zwei bis fünf Junge. Durch die moderne Landwirtschaft mit Monokulturen und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind viele Populationen drastisch zurückgegangen. Die zweite Art ist der etwa gleich große Schneehase (Lepus timidus). Er besiedelt auch die Hochlagen der Gebirge und die Tundra. Sein Fell ist im Winter schneeweiß und im Sommer braun.

Einzige Art der Wildkaninchen (Gatt. Oryctolagus) und auch einzige europäische Art der Kaninchen ist das Europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), das heute außerdem in Australien, Neuseeland und Chile eingebürgert ist. Kaninchen bewohnen bevorzugt deckungsreiche, offene Landschaften.

Sie leben gesellig in ausgedehnten Erdröhrensystemen und sind infolge der hohen Vermehrungsrate in ihren Verbreitungsgebieten i.Allg. zahlreich. Innerhalb der Kolonien gibt es eine Rangordnung und ein ausgeprägtes Revierverhalten mit Duftmarkierung. In manchen Verbreitungsgebieten wurden die Bestände durch die Myxomatose, eine tödliche Viruserkrankung, die durch Ödembildung insbesondere der Schleimhäute gekennzeichnet ist, stark dezimiert. Das Europäische Wildkaninchen ist die Stammform des Hauskaninchens, das in einer großen Zahl unterschiedlicher Rassen gezüchtet wird.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

Partnerinhalte