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Kompaktlexikon der Biologie: Perm

Perm, sich an das Karbon anschließende, jüngste Periode des Paläozoikums, die sich von etwa 290 bis 248 Mio. Jahren vor heute erstreckte. Leitfossilien sind für die marine Gliederung vor allem Fusulinen, Ammoniten (Ammonoidea) und Conodonten, untergeordnet auch Korallen, Bryozoa, Brachiopoda u.a., im terrestrischen Bereich Pflanzen, Arthropoden, Fische und niedere Tetrapoden.

Im Vergleich zum Karbon hat sich die Lage der zur Pangaea vereinigten Kontinente wenig verändert. Der Nordpol lag bei Kamtschatka, der Südpol inmitten der Antarktis, der Äquator durchzog die westliche Tethys, Nordafrika und das Gebiet des nordamerikanischen Golfs. Nach Norden und Süden schlossen sich aride Klimazonen an. Die Südkontinente zeigen deutliche Vereisungsspuren (permokarbonische Eiszeit).

Pflanzen: An der Wende Rotliegendes/Zechstein vor etwa 258 Mio. Jahren vollzog sich der Übergang von der Vorherrschaft der Sporenpflanzen (Pteridophyta) zur Herrschaft der Nacktsamer (Gymnospermae). Unter den Schachtelhalmen spielen Calamites (Calamitaceae) und Sphenophyllum eine Rolle, auf der Südhalbkugel Phyllotheca und Schizoneura, Bärlappe, letzte Nachkommen von Sigillaria. Typische Nadelhölzer waren Lebachia (Waichia) im Rotliegenden (258 bis 248 Mio. Jahre vor heute), Ullmannia und Pseudovoltzia im Zechstein (290 bis 258 Mio. Jahre vor heute); erste Ginkgo-Gewächse (Sphenobaiera) tauchen auf.

Tiere: In der Tierwelt vollzog sich ein deutlicher Wandel (Faunenschnitt) an der Grenze Perm/Trias: Er verlief nicht katastrophenartig, sondern graduell; dennoch war er eher Aussterben als Neubeginn. Mit durchschnittlich zwei Familien pro einer Mio. Jahre war die Aussterberate relativ hoch. Nur wenige Vertreter der paläozoischen marinen Faunen überlebten in der borealen Region bis Ende Perm. Fusulinen und rugose Korallen erreichten noch das absolute Perm-Ende. Zechsteinriffe setzten sich vorwiegend aus Schwämmen (Porifera) und Bryozoa zusammen (Fenestella u.a.). Brachiopoda waren zahl- und formenreich. Muscheln erreichten in der Tethys beträchtliche Größe. Schnecken sind aufgrund ihrer Häufigkeit wichtige Leitfossilien in den Südalpen (Bellerophon-Schichten). An die Stelle der karbonischen Insekten traten Libellen, Netzflügler und Käfer. Knorpelfische kennzeichnen das deutsche Perm, Amblypterus im Rotliegenden und Palaeoniscus im Zechstein. Amphibien hatten ihren Höhepunkt bereits überschritten, waren aber noch zahlreich (Eryops, Branchiosaurus). Eine Weiterentwicklung sind die Amniota, die auch mit ihrer Entwicklung voll an das Landleben angepasst waren. Neben der Stammgruppe der Cotylosaurier erlangten im P. zwei zukunftsweisende Gruppen Bedeutung: die Sauromorpha, aus denen die heutigen Kriechtiere (Reptilia) und Vögel (Aves) hervorgingen, und die Theromorpha, Stammlinienvertreter der Säugetiere (Mammalia). Bei den terrestrischen Tetrapoden macht sich der Faunenschnitt nicht bemerkbar.

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Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

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Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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