Direkt zum Inhalt

Mobilität: Die wissenden Frauen vom Lechtal

Sie verließen ihre Heimat und reisten hunderte Kilometer, um einen Bauern im Alpenvorland zu heiraten. Isotopenanalysen bezeugen eine erstaunliche Mobilität prähistorischer Frauen.

Kaum zu glauben, dass eine Studie über die prähistorische Besiedlung des Alpenvorlands die Gemüter quer über den Globus zu erhitzen vermag. Doch als wir 2017 berichteten, bronzezeitliche Bewohnerinnen des bayerischen Lechtals seien vermutlich aus hunderte Kilometer entfernten Gebieten zugewandert und hätten dabei metallurgisches Knowhow mitgebracht, verkürzte etwa der britische »Daily Telegraph« dieses Forschungsergebnis zu: »Frauen bereisten die Welt, während die Männer zu Hause blieben.« Es folgten hitzige Debatten bis hin zu Anfeindungen auf Internetforen: Frauen, Mobilität und die Kunst des Bronzegießens, das habe nicht zusammengepasst. Offenbar hatte das Forschungsresultat an Rollenbildern gerüttelt.

Es war freilich nur ein Ergebnis – wenn auch das über­raschendste – eines interdisziplinären Projekts, bei dem Forscher der Universitäten München und Tübingen, des Curt-Engelhorn-Zentrums für Archäometrie Mannheim und des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena weit über hundert Skelettreste der Zeit 2800 v. Chr. bis 1500 v. Chr. untersucht haben. Das Ziel: den Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit und deren frühe Phase mit Hilfe von Archäologie, Isotopenmessungen und Paläo-DNA-Analysen besser zu verstehen. Dabei diente das Lechtal südlich der heutigen Stadt Augsburg als viel versprechende, aber überschaubare Beispielregion ...

Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur 4/2018

Kennen Sie schon …

Tiere on Tour - Wanderer, die an Grenzen stoßen

Spektrum Kompakt – Tiere on Tour - Wanderer, die an Grenzen stoßen

Wandernde Tiere kümmern sich nicht um Staatsgrenzen: Sie ziehen dem Regen hinterher wie die Gnus und Zebras der Serengeti oder streifen durch Gebirge wie Bären und Luchse in Kroatien und Slowenien. Doch zunehmend werden mangelnde Korridore und menschengemachte Grenzanlagen zum echten Hindernis.

18/2019

Spektrum - Die Woche – 18/2019

In dieser Ausgabe widmen wir uns Truppenübungsplätzen, Profilern und Seuchen.

42/2018

Spektrum - Die Woche – 42/2018

In dieser Ausgabe widmen wir uns Tierwanderungen, Merkur und dem dunklen Universum.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen

Knipper, C. et al.: Female Exogamy and Gene Pool Diversification at the Transition from the Final Neolithic to the Early Bronze Age in Central Europe. In: PNAS 114, S. 10083–10086, 2017

Massy, K. et al.: Patterns of Transformation from the Final Neolithic to the Early Bronze Age: A Case Study from the Lech Valley South of Augsburg. In: Stockhammer, P. W., Maran, J. (Hg.): Appropriating Innovations: Entangled Knowledge in Eurasia 5000–1500 BCE. Papers of the Conference, Heidelberg, 15.–17. Januar 2015. Oxbow Books, Oxford 2017, S. 241–261

Stockhammer, P. W. et al.: Rewriting the Central European Early Bronze Age Chronology: Evidence from Large-Scale Radio­carbon Dating. In: PloS One 10.1371/journal.pone.0139705, 2015