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Narkolepsie: Erzwungene Auszeiten

Patienten mit Narkolepsie schlafen tagsüber immer wieder unvermittelt ein. Der Grund: Ihr Immunsystem zerstört bestimmte Neurone im Gehirn, die den Schlaf-wach-Rhythmus steuern. Aktuell sind Forscher dabei, die letzten Rätsel dieser Erkrankung zu lösen und neue Therapieansätze zu entwickeln.
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Die Attacke kommt aus heiterem Himmel: Ein plötzlicher Schlafdrang überfällt den Betroffenen, und schon fallen ihm am helllichten Tag die Augen zu. Etwa 40 000 bis 50 000 Deutsche erleben dies täglich am eigenen Leib – sie sind Narkoleptiker (siehe auch G&G 9/2006, S. 32). Neben der charakteristischen Tagesschläfrigkeit leiden die meisten von ihnen zudem ­unter so genannten Kataplexien: Schlagartig erschlafft die Muskulatur, die Körperspannung geht verloren, und der Patient sackt regelrecht in sich zusammen. Dabei bleibt er in der Regel wach und nimmt seine Umgebung weiterhin wahr. Hervorgerufen wird die Kataplexie meist durch emotionale Situationen, beispielsweise überschwängliche Freude und Lachen. Gelegentlich berichten Betroffene auch von Lähmungen oder Halluzinationen während des Einschlafens als weiteren Symptomen der Krankheit.
Typisch für Narkolepsie ist, dass der Schlaf die Patienten ungewöhnlich rasch übermannt: Meist vergehen weniger als zehn Minuten, bis sie sich vollständig in Morpheus' Armen befinden. Gerade der so genannte REM-Schlaf, in dem wir träumen und in den wir normalerweise erst gegen Ende der Nacht abtauchen, setzt bei Narkoleptikern sehr schnell ein.
Bereits 1877 beschrieb der deutsche Arzt Carl Westphal (1833-1890) einen Fall dieser son­derbaren Schlafstörung. 1880 prägte dann der französische Mediziner Jean-Baptiste-Édouard Gélineau (1828-1906) den Begriff Narkolepsie. Die Ursache der Krankheit blieb allerdings ­lange unklar. Erst im Jahr 2000 fanden Forscher heraus, dass die Patienten ganz bestimmte ­Nervenzellen im Hypothalamus verlieren, die das Hormon Hypocretin herstellen (auch unter dem Namen Orexin bekannt). Diese Substanz ist unter anderem maßgeblich an der Steuerung des Schlaf-wach-Rhythmus beteiligt: Viel Hypocretin hält uns munter, bei geringen Konzentrationen des Botenstoffs werden wir müde und schlafen ein ...
September 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist September 2010

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  • Quellen
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Dauvilliers, Y. et al.: Normalization of Hypocretin-1 in Narcolepsy After Intravenous Immunoglobulin Treatment. In: Neurology 73(16), S. 1333-1334, 2009.

Dodel, R. et al.: Health-Related Quality of Life in Patients with Narcolepsy. In: Sleep Medicine 8, S. 733-741, 2007.

Hallmayer, J. et al.: Narcolepsy is Strongly Associated With the T-cell Receptor Alpha Locus. In: Nature Genetics 41, S. 708-711, 2009.

Nevsimalova, S.: Narcolepsy in Childhood. In: Sleep Medicine Reviews 13, S. 169-180, 2009.

Nevsimalova, S. et al.: Does Age at the Onset of Narcolepsy Influence the Course and Severity of the Disease? In: Sleep Medicine 10, S. 967-972, 2009.

Picchioni, D. et al.: A Case-Control Study of the Environmental Risk Factors for Narcolepsy. In: Neuroepidemiology 29, S. 185-192, 2007.