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Handlungsbewusstsein: Wie fremdgesteuert

Warum bewegt sich eine Frau ­marionettenhaft und fühlt sich so, als würde sie ihre Bewegungen nicht selbst lenken?
Frau hängt an Seilen, wie eine MarionetteLaden...

Schon seit zwei Monaten leide sie nun unter einem scheinbar unheilbaren Zittern, erzählte die junge Frau, als sie in meine Sprechstunde kam. Begonnen hatte alles am Tag ­ihres Autounfalls. Ursula* war in einem Fahrzeug mitgefahren, das ein anderer Verkehrsteilnehmer auf einer Kreuzung erfasst hatte. Der Aufprall schien nicht besonders stark; sie und der Fahrer erlitten keine offensichtlichen Verletzungen und gingen nach Ausfüllen des Unfallberichts nach Hause. Doch am nächsten Morgen begannen die Probleme.

Als ich die Patientin untersuchte, fiel mir etwas sofort auf: Ihr Tremor ähnelte kaum dem, was Neurologen üblicherweise zu sehen bekommen, etwa im Zusammenhang mit Parkinson oder anderen neurologischen Bewegungsstörungen. Besonders charakteristisch war, dass das Zittern sehr unterschiedlich auftrat: Mal war es stark, mal fiel es fast gar nicht auf, mal waren die Bewegungen horizontal, mal vertikal, manchmal bewegte sich nur ein Arm, und manchmal schlotterten alle vier Extremitäten. Es genügte häufig, der jungen Frau eine Kopfrechenaufgabe zu geben, um ihr Zittern vorübergehend fast vollständig zu stoppen.

Mehrere Unstimmigkeiten ließen mich daran zweifeln, dass die Ursache von Ursulas ungewollten Bewegungen im klassischen Sinn neurologisch war. Simulierte sie etwa? ...

* Name von der Redaktion geändert
3/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 3/2019

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  • Quellen

Desmurget, M. et al.: Movement Intention after Parietal Cortex Stimulation in Humans. In: Science 324, S. 811–813, 2009

Haggard, P. et al.: Voluntary Action and Conscious Awareness. In: Nature Neuroscience 5, S. 382–385, 2002

Kranick, S. M., Hallett, M.: Neurology of Volition. In: Experimental Brain Research 229, S. 313–327, 2013

Voss, M. et al.: Altered Awareness of Action in Schizophrenia: A Specific Deficit in Predicting Action Consequences. In: Brain 133, S. 3104–3112, 2010