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Therapie: Psychopharmaka für Kinder?

Immer mehr Kinder und Jugendliche bekommen ­Anti­depressiva und Antipsychotika verschrieben. Doch nicht in jedem Fall ist ihr Einsatz nötig und sinnvoll.
Junge mit Krone quer

Die jüngsten der Patienten können nicht einmal lesen. Sie sind fünf oder sechs Jahre alt, manche sogar erst zwei oder drei. Aber sie sind so zappelig und unruhig, so aggressiv oder so gequält von Ängsten und Zwängen, dass sich ihre Eltern nicht mehr zu helfen wissen.

Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Ärzte dann zu Medikamenten greifen: Für Kinder ab sechs Jahren sind das ADHS-Mittel Ritalin und Sertralin gegen Zwangsstörungen zugelassen. Und aggressive Fünf­jährige bekommen schon zur Beruhigung Risperidon, ein Antipsycho­tikum, das ursprünglich zur Behandlung von Schizophrenie und Schlafstörungen bei Erwachsenen entwickelt wurde.

Etwa zehn Prozent der Minderjährigen leiden unter einer psychischen Erkrankung, und häufig gehören Medikamente zur Standardtherapie. "Die Verordnungen von Psychopharmaka für Kinder und Jugendliche in Deutschland nehmen zu", sagt Christian Bachmann, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Philipps-Universität Marburg und Experte für die Verbreitung von Psychopharmaka.

Zwar gab die Krankenkasse DAK bekannt, dass Ärzte das bekannte ADHS-Mittel Ritalin inzwischen seltener verschreiben: 2013 erhielten zehn Prozent weniger Kinder und Jugendliche ein Rezept als 2011. Doch wie Studien von Christian Bachmann zeigen, kommen dafür Antidepressiva und Antipsychotika häufiger zum Einsatz. Der Mediziner und sein Team werteten Daten von 1,4 Millionen Versicherten der Krankenkasse Barmer GEK aus. Ergebnis: 2012 erhielten 40 Prozent mehr Kinder und Jugendliche ein Rezept über Antipsycho­tika als 2005 …

2/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 2/2016

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  • Quellen

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