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Mobilfunk: 5G wird weltweit die Wettervorhersage stören

Der neue Mobilfunkstandard 5G dürfte Wettersatelliten nahezu blind für Wasserdampf machen. Jüngst vereinbarte Schutzbestimmungen reichten nicht aus, sagen Experten.
Zyklon Chapala über dem JemenLaden...

Die 5G-Technologie dürfte in den kommenden Jahren erhebliche Probleme bei der Wettervorhersage bereiten. Denn sie führt dazu, dass Wettersatelliten den Wasserdampfgehalt der Atmosphäre nicht mehr verlässlich ermitteln können. Um das Problem zu minimieren, forderten Meteorologenverbände von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), den 5G-Betreibern strenge Auflagen zu machen. Nun sehen sie sich jedoch mit ihren Bedenken alleingelassen.

Anlass zu ihrer Kritik ist der Kompromiss, den die Regulierungsbehörde auf einer Konferenz im ägyptischen Sharm el-Sheik am 21. November 2019 mit den Mitgliedsstaaten geschlossen hat. Demnach sollen laut ITU die Auflagen zunächst vergleichsweise locker sein, um die Etablierung des neuen Mobilfunkstandards nicht zu behindern, und ab dem Jahr 2027 auf einen strengeren Wert ansteigen.

Doch wie unter anderem das Magazin »Nature News« auf seiner Website berichtet, geht der Kompromiss Meteorologen nicht weit genug. Sollte sich die 5G-Netze schneller entwickeln, als von der ITU veranschlagt, drohe den Wettervorhersagen weltweit ein Qualitätsverlust. Die Experten berufen sich dabei unter anderem auf Studien der NASA und der US-amerikanischen Atmosphärenforschungsbehörde NOAA.

Konkret dreht sich die Debatte um die Frage, wie viel störendes Rauschen die Netzbetreiber auf einer zur Wettervorhersage wichtigen Frequenz produzieren dürfen. Bei 23,8 Gigahertz sendet in der Atmosphäre enthaltener Wasserdampf ein schwaches Signal aus, das Wettersatelliten empfangen, um sogar bei Dunkelheit die Luftfeuchtigkeit zu bestimmen. Funkt nun ein 5G-Netz bei 24 Gigahertz, entsteht mehr oder weniger starkes Rauschen auf den benachbarten Frequenzen. Die Folge ist, dass der Satellit stärkeren Wasserdampf vermeldet, als tatsächlich vorhanden ist.

Gemessen werden diese Störsignale in der Einheit Dezibel Watt (dBW). Laut der US-Weltraumorganisation sollte das Rauschen auf -52,4 dBW beschränkt bleiben, eine Forderung, der sich die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) größenordnungsmäßig angeschlossen hatte. Die europäischen Regulierungsbehörden hatten einen höheren Wert von -42 dBW ins Spiel gebracht, ihr US-Pendant hingegen gar -20 dBW. Der Kompromiss sieht nun -33 dBW bis September 2027 und -39 dBW für die Zeit danach vor.

Ob dies reicht, um die Datensammlung der Wettersatelliten zu schützen, ist offen. In einem Statement verurteilte das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage im südenglischen Reading die Maßnahme als unzureichend. Einmal mehr sei der Wissenschaft in einer wichtigen Frage kein Gehör geschenkt geworden, schreibt die Einrichtung. Wirtschaftliche Interessen würden nach wie vor stärker gewichtet, selbst in Zeiten, in denen die Gesellschaft den Preis dafür zahlen müsse, dass die Warnungen der Wissenschaft zur bevorstehenden Klimakrise in den Wind geschlagen wurden.

48/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 48/2019

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