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News: Akustisches Feuerwerk

Mancher Himmelsgucker wird den Forschern dankbar sein. Denn wer davon berichtet, er habe Meteore nicht nur gesehen, sondern auch gehört, erntet in aller Regel ungläubiges Kopfschütteln. Tatsächlich gelang es Forschern nun zum ersten Mal, eine Sternschnuppe auf Tonband zu bannen - und doch sind sie nun kaum klüger als zuvor.
Schon seit ein paar Hundert Jahren kursiert das Gerücht, Meteoriten tauchten mitunter deutlich hörbar in die Erdatmosphäre ein. Obskur dabei: Das Geräusch sei exakt in dem Moment zu hören, in dem auch die Sternschuppe zu sehen ist. Und das ist eigentlich unmöglich, denn - und das fiel dem italienischen Gelehrten Geminian Montanari schon 1676 auf - der Schall bräuchte schließlich einige Minuten, um vom Meteor zum Beobachter zu gelangen.

Und dennoch: Immer wieder behaupten Augenzeugen, auch Ohrenzeugen zu sein - und werden deshalb oft belächelt, ganz so, als hätten sie ein UFO gesichtet. Tatsächlich ist aber denkbar, dass ein Meteor niedrig frequente Radiowellen produziert - Radiowellen, die unter Umständen hörbar sind.

Zum einen könnte dies geschehen, wenn ein Meteor in die Atmosphäre eintritt und einen Strom geladener Partikel erzeugt, die solche niedrig frequenten Radiowellen aussenden, zum anderen könnten auch Blätter und Äste wie Antennen wirken, die elektromagnetische Strahlung eines Meteors einfangen und in Form ultravioletter Blitze abstrahlen. Für das Auge wären diese Blitze unsichtbar, die Ohren nähmen indes einen deutlichen "Plop" wahr.

Da sich solche Radiowellen - in diesem Fall spricht man von radiophonischen Geräuschen - einfach aufzeichnen lassen müssten, erdachten Goran Zgrablic von der Université de Lausanne und seine Mitarbeiter ein ausgeklügeltes System aus Weitwinkelkamera, Richtmikrofon und Radioempfänger und fuhren in die Mongolei. Dort richteten die Forscher ihre Instrumente aus, kalibrierten sie und hofften nun, dass der Leonidenschwarm auch ein akustisches Feuerwerk würde.

Und tatsächlich: Den Forschern gelang es zum ersten Mal, einen Meteor auf's Tonband zu bannen. Zwei der zahlreichen Sternschnuppen waren durch einen deutlichen "Plop" zu hören – und zwar genau in dem Moment, als sie in rund 100 Kilometern Höhe die stark ionisierten Schichten der Ionosphäre durchkreuzten.

Leider ist das auch der einzige Zusammenhang, den die Wissenschaftler aufzeigen konnten. Denn ihr wichtigstes Gerät, der Radioempfänger, blieb stumm. Beide Theorien zur Entstehung von Radiowellen sind somit obsolet, Alternativen gibt es noch nicht. Zgrablic und seine Kollegen werden noch einmal ganz von vorne anfangen müssen. Immerhin können sie sich schon jetzt der Dankbarkeit vieler Meteorfreunde gewiss sein, denn eines ist sicher: Meteore können wirklich hörbar sein.

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