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News: Am Limit - Über den Zufall des Weltrekords

Schneller, höher, stärker! Wie lange wird das olympische Motto noch gelten? Bewegen sich die Athleten nicht längst am Limit? Sportwissenschaftler und Statistiker glauben, dass in spätestens 50 Jahren der Zufall über Gold, Silber und Bronze entscheidet.
Nur ein Jahr konnte sich der Amerikaner George Weightman an seinem Weltrekord über 110 Meter Hürden erfreuen. 1929 verlor er ihn an den Schweden Eric Wennström, der die Strecke in 14,4 Sekunden bewältigte, immerhin zwei Zehntel Sekunden schneller als Weightman. 1989, also sechzig Jahre später, schaffte Roger Kingdom aus den USA diese Distanz bereits in 12,92 Sekunden, musste sich aber auch erst vier Jahre später dem Briten Colin Jackson geschlagen geben. Sein Vorsprung: eine Hundertstel Sekunde.

Die Athleten auf Rekordjagd bewegen sich am Limit. Das haben sie immer getan, nur scheint jetzt die Zeit gekommen, in der verbesserte Trainingsmethoden und technologische Fortschritte an eine Grenze stoßen – die Grenze physischer Leistungsfähigkeit. Zwar wird auch in Zukunft schneller gelaufen, höher gesprungen und kräftiger gestemmt, doch werden die Ergebnisse immer mehr vom Zufall bestimmt. Der Sportphysiologe François Péronnet vom Département de Kinésiologie der Université de Montréal glaubt, dass die Weltrekorde in Zukunft eher den Charakter extremer Niederschläge oder Trockenzeiten haben. So schwankten die Rekordzeiten im 1500-Meter-Lauf der letzten 15 Jahre willkürlich um die 3:26-Marke. Ein Trend zu stetig höheren Geschwindigkeiten sei nicht mehr erkennbar. Péronnet glaubt, dass eine Steigerung des aeroben und anaeroben Stoffwechsels sowie der Ausdauer in spätestestens 50 Jahren nur noch von marginaler Natur ist. Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch der Statistiker Robert W. Schutz von der School of Human Kinetics der University of British Columbia. Er hat ausgerechnet, dass die Marathondistanz im Jahr 2050 gerade einmal drei Minuten schneller bewältigt wird, als es heute der Fall ist.

Auch wenn sich die Kurven sportlicher Leistungsfähigkeit eindeutig dem Limit nähern, will sich Carl Foster vom Department of Exercise and Sport Science der University of Wisconsin-La Crosse nicht den mathematischen und physiologischen Argumenten anschließen: "Immer wenn jemand glaubt, die Grenze des Möglichen sei erreicht, kam jemand anderes und durchbrach sie."

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