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Ungewöhnlicher Himmelskörper: Asteroid auf Kuschelkurs mit der Sonne

Astronomen haben im inneren Sonnensystem einen Exoten aufgespürt: Auf dem Asteroiden dauert ein Jahr gerade mal 151 Tage.
Asteroid (künstlerische Darstellung)Laden...

Astronomen haben einen ungewöhnlichen Asteroiden entdeckt, der es sich in der Nähe der Sonne gemütlich gemacht hat: Der etwa ein Kilometer große Brocken namens 2019 LF6 brauche nur 151 Tage für einen Umlauf, berichtet das Team um Quanzhi Ye vom Caltech in einer aktuellen Mitteilung. Auf seiner elliptischen Bahn kommt der Asteroid der Sonne zuweilen sogar näher als der Merkur, der 88 Tage für einen Umlauf um die Sonne braucht, berichten die Forscher. Zu anderen Zeiten entferne sich 2019 LF6 hingegen deutlich weiter und passiere dabei die Umlaufbahn der Venus, die 225 Tage für eine Runde um die Sonne benötigt.

Der Himmelskörper ist der jüngste Vertreter der so genannten »Atira«-Population. So nennen Astronomen Asteroiden, die sich durchweg innerhalb der Umlaufbahn der Erde um die Sonne bewegen. Bislang sind rund 20 solcher Objekte bekannt. 2019 LF6 gehört zu den größeren Vertretern der Gruppe. Dass er erst jetzt entdeckt wurde, führen die Wissenschaftler auf seinen ungewöhnlichen Orbit zurück: Die Ebene seiner Umlaufbahn ist deutlich gegen die Bahnebene der Planeten im Sonnensystem gekippt – vermutlich wurde der Asteroid einst von einem schwereren Himmelskörper auf diese Bahn geschubst.

2019 LF6
2019 LF6 | Die Bahn des Asteroiden 2019 LF6.

Die Gruppe um Quanzhi Ye konnte den Exoten mit Hilfe der Zwicky Transient Facility aufspüren, einer Kamera am kalifornischen Palomar-Observatorium, die den Himmel nach ungewöhnlichen Helligkeitsveränderungen absucht. Der Nachweis von 2019 LF6 war für die Forscher eine Herausforderung: Wegen ihrer großen Nähe zur Sonne sind Atira-Asteroiden nur in den späten Abend- oder frühen Morgenstunden für 20 bis 30 Minuten sichtbar. Zu anderen Zeiten überstrahlt die Sonne die Himmelskörper deutlich.

2019 LF6 mag ein interessantes Objekt sein, den Rekord für die größte Annäherung an die Sonne bricht er jedoch nicht: Brocken aus der Gruppe der Apollo-Asteroiden wie beispielsweise 1566 Icarus kommen unserem Zentralgestirn zuweilen noch näher, stoßen auf ihren lang gezogenen Ellipsen jedoch deutlich weiter ins äußere Sonnensystem vor.

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