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Paläontologie: Auch Dinos erfanden den Doppeldecker

<i>Microraptor</i>-FossilLaden...
Microraptor-Fossil | Sechs Exemplare von Microraptor gui beschrieben chinesische Forscher im Jahr 2003 aus der Liaoning-Provinz im Nordosten Chinas. Die Fossilien stammen aus der frühen Kreide und sind 128 bis 124 Millionen Jahre alt. Die Tiere waren etwa 75 Zentimeter lang und wogen ungefähr ein Kilogramm.
Microraptor gui, der kleinste bekannte Dinosaurier, hatte an den Vorder- wie Hintergliedmaßen Flugfedern. Die daraus gebildeten Flügel lagen aber nicht hintereinander, wie bislang vermutet, sondern wie bei einem Doppeldecker parallel übereinander. Zu diesem Schluss kommen Sankar Chatterjee von der Texas Tech University und Jack Templin, ehemaliger Direktor des Labors für Aerodynamik am Canadian National Research Council anhand von Simulationen.

Der Paläontologe und der pensionierte Luftfahrtingenieur analysierten, wie der kleine kreidezeitliche Dinosaurier seine Hinterbeine überhaupt bewegen konnte. Dabei zeigte sich, dass Microraptor die Gliedmaßen ausgestreckt und damit senkrecht in der Luft hielt. Er konnte sie zudem nur auf und ab, aber nicht seitlich bewegen – und die Flügel an den Beinen somit gar nicht hinter den Flügeln an seinen Armen positionieren. Er dürfte sie daher stattdessen parallel dazu, aber einen Stock tiefer unter dem Körper ausgestreckt haben. Dies wäre auch aus aerodynamischer Sicht erheblich stabiler, erläutern die Wissenschaftler.

Der Dino-DoppeldeckerLaden...
Der Dino-Doppeldecker | Nicht hintereinander, sondern mehr übereinander soll Microraptor gui seine Flügel positioniert haben – wie bei einem Doppeldecker.
Mit seinem an einen Doppeldecker erinnernden Flugapparat stürzte sich Microraptor, so das Ergebnis der Simulation, kopfüber von einem Ast, bis ihn bei ausreichender Geschwindigkeit schließlich der Auftrieb abfing und wieder nach oben zum nächsten Ast trug. So konnte der gefiederte Dino durch die Luft gleiten, ohne überhaupt mit den Flügeln schlagen zu müssen. Mit demselben Modell hatten Chatterjee und Templin bereits den Flug von Archaeopteryx und verschiedenen Flugsauriern untersucht.

Noch ein weiteres Fossil aus China, Pedopenna, besaß Flugfedern an den Beinen und könnte daher vielleicht auch die Doppeldeckertechnik verwendet haben, vermuten die Forscher. Archaeopteryx und heutige Greifvögel weisen ebenfalls Federn an den Beinen auf, doch sind diese anders aufgebaut und daher nicht als Flügelunterstützung geeignet. Sie dienen vielmehr dazu, die Gliedmaßen für das Ergreifen und den Transport von Beute stromlinienförmig zu machen, damit sie den Flug nicht beeinträchtigen, erklären Chatterjee und Templin.
18.10.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 18.10.2005

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