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Depression: EEG sagt Besserung voraus

Eine Messung der Hirnströme könnte einschätzen helfen, welche Betroffenen von einer Behandlung mit Antidepressiva profitieren.
EEG-Kappe quer

Welche Menschen mit Depression sprechen auf eine Therapie an? Das ist bislang kaum abzusehen. Einer neuen Studie zufolge könnte jedoch eine simple EEG-Untersuchung vor Behandlungsbeginn Aufklärung bringen.

Ein Forscherteam von sechs verschiedenen US-Universitäten analysierte bei 248 Patienten die Hirnaktivität in einem bestimmten Teil des anterioren zingulären Kortex, einer Hirnstruktur, die zum limbischen System zählt. Teilnehmer, die im EEG dort vermehrt Thetawellen (mit einer Frequenz von vier bis sieben Hertz) aufwiesen, machten im Verlauf der Behandlung größere Fortschritte.

Dies galt selbst für Patienten, die ein Placebo erhielten – und auch dann, wenn die Forscher den Einfluss anderer Merkmale herausrechneten, die gemeinhin für eine schlechtere Therapierbarkeit sprechen. Dazu zählen etwa der anfängliche Schweregrad der Störung, ein höheres Alter der Patienten oder wiederholte depressive Phasen.

Der anteriore zinguläre Kortex spielt unter anderem eine Rolle dabei, negative Gefühlsregungen zu unterdrücken und die Aufmerksamkeit auf anstehende Aufgaben zu fokussieren. Erste Hinweise darauf, dass die Aktivität in dieser Hirnregion mit dem Erfolg einer Depressionstherapie zusammenhängt, gab es bereits im Jahr 1997. Bis dato erschienen aber nur sehr kleine Untersuchungen zum Thema, in denen der Einfluss anderer Variablen nicht ausreichend kontrolliert wurde. Es sei nun an der Zeit, EEG-Messungen auch in der klinischen Praxis zu berücksichtigen, schreiben die Autoren. So könnte etwa eine geringe Thetawellen-Aktivität darauf hindeuten, welche Patienten von Anfang an eine besonders intensive Therapie benötigen.

8/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 8/2018

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