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Evolution: Spinne geht auf Tauchgang

Wasser ist für die meisten Spinnen nicht das Element der Wahl. Eine tropische Spinne flüchtet sich dennoch in Gewässer, wenn Gefahr droht. Wie schafft sie das?
Die tropische Spinnenart Trechalea extensa im Wasser

Es gibt Spinnen, die über das Meer segeln. Und in Europa lebt die Wasserspinne, die unter Wasser sogar ihr vollständiges Zuhause hat. Aber das sind Ausnahmen unter den rund 50 000 bekannten Spinnenarten. So dachte man bislang zumindest: Die tropische Spinnenart Trechalea extensa aus Costa Rica deutet jedoch an, dass Achtbeiner vielleicht doch häufiger Gewässer aufsuchen als vermutet. Über dieses Verhalten berichten Wissenschaftlerinnen um Lindsey Swierk von der Binghamton University im Journal »Ethology«.

Swierk hatte beobachtet, wie ein Vertreter der großen Spinnen vor Menschen ins Wasser floh und dort untertauchte: ein Verhalten, das man zuvor nicht von der Art kannte. Das Tier blieb 30 Minuten auf dem Grund des Gewässers, und während es untergetaucht blieb, überzog ein Luftfilm seinen kompletten Körper. »Der Luftfilm, der die Spinne unter Wasser umgibt, wird offenbar von hydrophoben Haaren zusammengehalten, die die gesamte Körperoberfläche der Spinne bedecken«, sagt Swierk. Der Film verleihe der Spinne ein Aussehen, als sei sie in flüssiges Silber getaucht worden.

Der Luftfilm könnte dafür dienen, die Atmungsöffnungen vom Wasser fernzuhalten, da Spinnen luftatmend sind. Er trägt womöglich auch dazu bei, den Wärmeverlust durch das kalte Flusswasser, in das die Spinne eintaucht, zu minimieren, schreiben die Biologinnen. Die europäische Wasserspinne erzeugt für sich wiederum eine Art Taucherglocke: eine Luftblase, die sie immer wieder aktiv mit Luft von der Oberfläche auffüllt und die von einem Seidengespinst unter Wasser gehalten wird.

Ganz fremd ist Wasser für die tropische Verwandtschaft der Spinnenfamilie Trechaleidae allerdings auch nicht: Sie jagen vom Land aus Beute auf und im Wasser, tauchen aber dabei nicht unter – zumindest nach bisherigem Wissen.

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