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Ökosysteme: Aggressivere Spinnen trotzen Stürmen

Eine wachsende Anzahl von Zyklonen zieht jedes Jahr durch den amerikanischen Westen. Dies verändert die Umwelt – und das Verhalten der Tierwelt, wie etwa ein Blick auf die Spinnen in den Sturmgebieten zeigt.
Spinnenkolonie im gemeinsamen NetzLaden...

Die Spinne Anelosimus studiosus ist weit über Nord- und Südamerika verbreitet und für ihr auffällig differenziertes Sozialverhalten bekannt: Spinnenforscher unterscheiden soziale und antisoziale Gruppen sowie besonders aggressive und besonders friedliche Kolonien. Dabei scheint eine gesteigerte Aggressivität den Achtbeinern unter bestimmten Umweltbedingungen offenbar Überlebensvorteile zu verschaffen, wie Alexander Little und seine Kollegen von der University of California in Irving nun herausgefunden haben. Im Fachblatt »Nature Ecology & Evolution« beschreiben sie, dass angriffslustige Spinnenkolonien sich gerade in heftig von Zyklonen betroffen Gebieten ausbreiten.

Um die Angriffslust von Anelosimus-Exemplaren im Untersuchungsgebiet zu vergleichen, täuschten sie den Tieren mit Hilfe eines Papierstückchens und einer elektrischen Zahnbürste ein hilfloses Beutetier im Netz vor. War die Region zuvor durch einen Zyklon zerstört worden, ließen sich dort besonders viele der Spinnen anlocken. Ein aggressiveres Vorgehen, so vermuten die Wissenschaftler, könnte den Tieren in Krisenzeiten ein ausreichendes Nahrungsangebot sichern. Kampfbereite Anelosimus-Kolonien verteidigen ihr Territorium auch erfolgreicher gegen fremde Spinnen, zudem scheint ihr Nachwuchs früher ohne den Schutz der erwachsenen Tiere zu überleben. Das sichert den Spinnen bei Extremwetterereignissen offenbar entscheidende Überlebensvorteile. Eher friedliche Kolonien profitieren dagegen von stabileren Umweltbedingungen: Dann nämlich bleiben durch ihre Energie sparende Lebensweise mehr Ressourcen für die Aufzucht des Nachwuchses übrig.

Ob sich die Tiere aggressiv oder friedlich verhalten, ist erblich bedingt. Da die Spinnen innerhalb einzelner Kolonien eng miteinander verwandt sind, lassen sich die Auswirkungen der Unwetterereignisse auch im Bezug auf deren genetische Vielfalt gut untersuchen. Daher steht Anelosimus immer wieder im Schwerpunkt wissenschaftlicher Studien, die gerade in Zeiten der Klimaveränderung Anpassungsstrategien untersuchen.

34/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 34/2019

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