Direkt zum Inhalt

Klimawandel: Heiße Tage in Deutschland nehmen zu

Schmelzende Gletscher und ausgetrocknete Flüsse – das Risiko für Extremwetterereignisse steigt. Bei einem Kongress in Hamburg warnen Experten eindringlich vor den Folgen des Klimawandels und rufen zu schnellem Handeln auf.
Ausgetrocknetes Rheinflussbett bei Köln
Deutschlands Flüsse führten in diesem Jahr so wenig Wasser wie lange nicht - hier zu sehen der Rhein bei Köln.

»Der Klimawandel ist kein exotisches Phänomen mehr, sondern findet direkt vor unserer Haustür statt.« Mit diesen eindringlichen Worten hat sich Tobias Fuchs, Vorstandsmitglied des Deutschen Wetterdienstes (DWD), beim 12. Extremwetterkongress in Hamburg an die Öffentlichkeit gewandt. Die Gefahr durch Wetterextreme wachse – deutlich zu sehen an der Flutkatastrophe im Jahr 2021 im Ahrtal und anderen Teilen Westdeutschlands sowie an dem zu trockenen, warmen und sonnigen Sommer 2022. Das betreffe nicht nur die Landwirtschaft, sondern uns alle. »Was früher extrem war, ist heute normal«, sagte Fuchs.

Bei dem dreitägigen Kongress stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Erkenntnisse aus Meteorologie, Klimaforschung, Energiewirtschaft und Umweltrecht vor. Die Bemühungen um den Klimaschutz müssten dringend verstärkt werden, lautet die Forderung der Experten und Expertinnen. »Die Lage ist dramatisch«, sagte Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer in der Eröffnungsrunde. »Menschen sind in ihrer Existenz gefährdet. Wir haben keinen Spielraum mehr für fossiles Herumexperimentieren.«

In einem von Tobias Fuchs vorgestellten Extremwetter-Faktenpapier 2022 heißt es, dass die Jahresmitteltemperatur in Deutschland seit 1881 stärker angestiegen ist als im weltweiten Durchschnitt. Während die globale Temperatur im linearen Trend aktuell um etwa 1,1 Grad über dem vorindustriellen Schnitt liegt, sind es in Deutschland bereits rund 1,6 Grad. Dies verwundert nicht, weil sich Landregionen generell schneller erwärmen als die Meere. Doch: Die Zahl heißer Tage mit einer Temperatur von mehr als 30 Grad hat seit den 1950er Jahren von etwa drei Tagen im Jahr auf heute im Schnitt neun Tage zugenommen. Seit 1960 war jede Dekade wärmer als die vorhergehende. Die zeitlichen Abstände zwischen Temperaturrekordjahren haben deutlich abgenommen. Der Meeresspiegel an Nord- und Ostsee ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts um 25 Zentimeter (Travemünde) bis 40 Zentimeter (Cuxhaven) angestiegen, auch wegen nacheiszeitlicher Landsenkungen. Dadurch fallen Sturmfluten höher aus. »Das alles sind keine ›Fun Facts‹, sondern ein Aufschrei«, sagte Luisa Neubauer. »Es gibt eine lange To-do-Liste für die Politik.«

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) betonte in ihrem Vortrag die Relevanz des Kongresses, »weil er die Erkenntnisse der Klimaforschung auf eindringliche Weise in die Öffentlichkeit trägt«. »Wir dürfen Klima- und Artenschutz in Anbetracht anderer Krisen nicht aus den Augen verlieren, da uns alle Versäumnisse sonst in wenigen Jahren einholen.« Sie habe zudem vor, Klimaanpassungsmaßnahmen gesetzlich zu verankern. »Das ist Neuland.«

Frank Böttcher, Veranstalter des Extremwetterkongresses und Sprecher der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft, forderte, die politischen Rahmenbedingungen so zu ändern, dass alle Produkte und alle Lebensmittel mindestens klimaneutral sind. »Darüber darf man im Supermarkt nicht mehr nachdenken müssen«, forderte er. Tobias Fuchs ergänzte, dass die Handlungsbereitschaft von Entscheidungsträgern dringend angekurbelt werden müsse: »Jedes zehntel Grad Abschwächung des Temperaturanstiegs zählt.«

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte